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Kollision mit Trauma, Zahn- und Weichgewebsverlust

Im vorliegenden Patientenfall wurde ein Triathlet auf dem Rennrad fahrend von einem PKW erfasst. Der Hochgeschwindigkeits- Unfall mit dem Rennrad erforderte eine weiterführende Diagnostik von HWS, Kiefer- und Schädelknochen.

pip Redaktion6 Min. Lesezeit
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Die S2k-Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne“ wurde 2022 nach den Regularien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter Beteiligung zahlreicher Fachgesellschaften und Institutionen grundlegend aktualisiert und ergänzt [AWMF, 2022]. Auch wenn die Darstellung von Risikofaktoren und Empfehlungen zur Prävention von Zahnunfällen umfangreich dargestellt wurde, ist die Prävalenz des dentalen Traumas weltweit in nahezu allen Altersgruppen mit ca. 25 bis 30 Prozent recht hoch.

Die jährlichen Krankheits- und Folgekosten von Zahnver-letzungen in Deutschland werden von den Autor*innen der S2k-Leitlinie auf bis zu 550 Millionen Euro geschätzt, mit steigender Tendenz. Besonders hart betroffen sind Patienten, bei denen neben dem kompletten Herausschlagen eines oder mehrerer Zähne aus der Alveole (Avulsion) auch der Knochen und das zirkulär umliegende Weichgewebe kompromittierend in Mitleidenschaft gezogen werden. Je nach Ausmaß des Defektes sind umfangreiche und aufwendige, kostenintensive Maßnahmen zur Rekonstruktion von Zähnen und Hart-/Weich-gewebe notwendig.

Im vorliegenden Patientenfall wurde ein Triathlet (Abb. 1) auf dem Rennrad fahrend von einem PKW erfasst. Der Hoch-geschwindigkeits-Unfall mit dem Rennrad erforderte eine weiterführende Diagnostik von HWS, Kiefer- und Schädel-knochen. Neben einem dislozierten linken Ringfinger (Abb. 2), multiplen Frakturen im Kiefer-/Gesichtsbereich und einem Schleudertrauma (Abb. 3) lag u.a. eine Avulsion des Zahnes 21 mit Weichgewebsverletzungen vor (Abb. 4). Eine Sofortim-plantation kam aufgrund der Priorisierung der Behandlung der allgemeinmedizinischen Verletzungen nicht infrage.

1. Unfallrisiken sind bei Sportlern, wie hier bei einem Triathleten höher.
2: Er wurde beim Training auf dem Rennrad von einem PKW erfasst und verletzt. Neben Dislokation des Fingers links lag ein …
3: … Schleudertrauma, die Fraktur des Nasenbeins, multiple Verletzungen im Kiefer-/Gesichtsbereich sowie eine …
4: … Avulsion des Zahnes 21 mit weich- und hartgeweblicher Beteiligung vor. Allgemeinmedizinische Verletzungen hatten Vorrang.
5: Zustand nach Rekonvaleszenz – ein erheblicher hart- und weichgeweblicher Defekt mit Schrumpfung der Gewebe ist entstanden.
6: Vorbohrung für ein Megagen Anyridge-Implantat mit Ø 4,5 mm; L:11 mm, großzügige Lappenbildung (12-23).
7: Tiefenkontrolle und Kontrolle der Achsausrichtung des Implantates.
8: Durch die Avulsion ist labial horizontal und vertikal ein erheblicher Knochenabbau entstanden.
9: Schrittweise vorsichtige Implantatinsertion.
10: Video: Implantatinsertion.
11: Video: Aufbringen von autologen Bohrspänen auf das Implantatgewinde, Knochenersatzmaterial (The Graft) und PRF.
12: Abdecken des Zahnhalses mit PRF- und des Kieferkamms mit CopiOs-Membran zur geschlossenen Einheilung des Implantats.
13: Keine Spannung auf den Geweben macht eine komplikationslose Einheilung möglich.
14: Finale Fixation mit Nähten nach GBR.
15: Drei Monate später hatte sich der vertikale und horizontale Gewebeeinbruch deutlich im Niveau verbessert.

Verzögerte Implantation

Infolge der Verletzungen und des Zahnverlusts war zweieinhalb Monate später eine Schrumpfung des Weich-gewebes in der vertikalen Höhe von ca. zwei Millimetern erkennbar (Abb. 5). Zur ästhetischen implantatprotheti-schen Rehabilitation sollte ein Implantat gesetzt werden und die vertikalen und horizontalen Knochenresorptionen augmentiert werden. Die Implantatwahl fiel auf ein Megagen Anyridge. Mit dem progressiven Gewindedesign (Oberfläche 308 mm2), der Osteoblasten-aktivierenden CaTiOs Nano-struktur auf der Oberfläche (Xpeed) und der geringen Kompression des Knochens bietet es auch im kompromittierten Knochen eine gute Primarstabilitat. Zusatzlich sichert der Hersteller maximalen Halt im kortikalen Knochen zu, was zu positiven ästhetischen Effekten insbesondere im Frontzahn-bereich führt.

Im vorliegenden Fall wurde anhand der röntgenologischen Analyse ein Megagen Anyridge Implantat (D 4.5; L 11 mm) ausgewählt. Es galt aufgrund des kompromittierten Gewebes minimalinvasiv vorzugehen. Der Lappen sollte so gewählt wer-den, dass mögliche Narbenzüge nicht im sichtbaren Bereich liegen. Im Bohrvorgang wurde sukzessive auf die notwendige Länge und Breite des Implantates aufbereitet, abschließend wurde nachimplantiert (Abb. 7-10). Im nächsten Schritt sollte der von labial sichtbare Einbruch des Knochens mit einem Gemisch aus autologem Knochen (Bohrspanen) und The Graft (Purgo) augmentiert werden. Dabei wurde ein wenig Eigen-knochen direkt an das Implantatgewinde (Video 11) platziert. Zur Deckung und Pravention einer Rezession wurde der Situs mittels koronalem Verschiebelappen und PRF-Membranen labial unterfüttert (Video 12), bevor das Augmentat mit einer Membran (CopiOs, ZimVie) abgedeckt worden war. Der OP-Situs wurde schrittweise und ohne Zugwirkung mit Nähten fixiert (Video 13, Abb. 14). Das Implantat heilte geschlossen ein.

16: Ein leichter, aber unauffälliger Narbenzug, über die Nahttechnik wurde periimplantär ausreichend keratinisierte Gingiva gewonnen.
17: Mesial von Zahn 22 fehlt Gewebe, welches im Sinne einer Papillenimitation konditioniert werden kann.
18: Stellt man die ehemalige Situation vor dem Eingriff und vor einmaligen Maßnahmen zu GBR gegenüber …
19: … dem Ergebnis (nach der einmaligen OP), konnte ein erheblicher Volumenanteil bisher gewonnen werden.
20: Der krestale Narbenzug verläuft exakt über der Freilegungsposition, das Narbengewebe erschwert den ästhetischen Outcome.
21: Stanzung der Gingiva zur minimalinvasiven Freilegung und Vermeidung von Gewebekompromittierung.
22: Mittels eines entepithelialisierten BGTs sollte das Gewebe bei der Freilegung zusätzlich vestibulär aufgebaut werden.
23: Abformpfosten nach tunnelierender Einfügung des BGT.
24: Nach Einschrauben des Gingivaformers bildet sich für zwei Minuten eine leicht anämische Zone im Weichgewebe.
25: Drei Monate später hat sich das vestibuläre, dem Implantat anliegende periimplantäre Gewebe voluminös und gesund entwickelt.
26: Vestibuläre Verdickung und ästhetische Optimierung.
27: Einschrauben der provisorischen Kompositkrone mit labilalem Schraubkanal.
28: Ein sehr ästhetisches Provisorium für den Zahn 21 in Form und Funktion, das Weichgewebe wird nach wie vor konditioniert.
29: Nach Abformung wird die finale Krone aus Zirkonoxid mit Keramik verblendet angefertigt (hier Farbbestimmung).
30: Einsetzen der naturidentischen, dem Nachbarzahn angepassten, finalen Krone (www.madeby-ug.com).
31: Ein kerniges Lächeln – Wiederauferstanden!
32: Röntgenkontrolle: Erfolgreiche Osseointegration.
33: Das Weichgewebe hat sich gut ausgebildet, die beeinträchtigenden Unfallfolgen konnten ausgeglichen werden.

Zustand nach Einheilung

Drei Monate später liegt eine gute Weichgewebsheilung vor, das Niveau des Knochens und die horizontale und vertikale Höhe des Weichgewebes konnte deutlich verbessert werden (Abb. 15-17), insbesondere im direkten Vergleich war das gut erkennbar (Abb. 18, 19). Bei der gestanzten Freilegung wurde ein weiteres aus dem Gaumen gewonnenes Bindegewebstransplantat ves-tibulär zur Verdickung der periimplantären Gingivamanschette platziert (Methodik Footstory siehe pip 2019) (Abb. 20-22). Nach digitaler Abformung und Überprüfung der Achse des Implantates wurde ein Gingivaformer zur Konditionierung des Gewebes eingeschraubt (Abb. 23). Drei Monate später wurde, bei einem fantastischen Gewinn an weichgewebigem Volumen eine provisorische Krone aus Komposit für die weitere Einheilzeit eingeschraubt (Abb. 25-28). Nach vier Monaten sollte die definitive Krone aus Zirkonoxid individualisiert mit Zirkonoxid mit Keramik-verblendung eingesetzt werden. Diese wurde auf einem in der Höhe individualisierbaren Abutment (Megagen) zementiert und im Mund eingeschraubt (Abb. 29-30). Das Ergebnis gleicht in Form, mit der weichgeweblichen girlandenförmigen Umrahmung einem natürlichen Zahn, der starke weich- und hartgewebliche Defekt nach Avulsion über den Auffahrunfall mit dem Rennrad konnte ausgeglichen werden (Abb. 31-33).

Autor

Zahntechnik:

Uwe Gehringer, www.madeby-ug.com

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