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Mehrstufige Wiederherstellung des ästhetischen Lächelns

Bei Komplikationen wie Implantatmisserfolgen sieht sich der operierende Chirurg direkt mit seinen Fehlern konfrontiert, kann aber im Rahmen seiner fachlichen Verantwortung bei einer Fehleranalyse hilfreiche Erkenntnisse zur zukünftigen Komplikationsvermeidung und Qualitätssicherung sammeln.

pip Redaktion7 Min. Lesezeit
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Lösungsansatz bei Fehlpositionierung eines Implantats

Bei Komplikationen wie Implantatmisserfolgen sieht sich der operierende Chirurg direkt mit seinen Fehlern konfrontiert, kann aber im Rahmen seiner fachlichen Verantwortung bei einer Fehleranalyse hilfreiche Erkenntnisse zur zukünftigen Komplikationsvermeidung und Qualitätssicherung sammeln. Grundvoraussetzung für einen konstruktiven Umgang beim perioperativen Komplikationsmanagement ist die transparente Patientenkommunikation und die – abhängig vom Patienten – sorgfältige Diagnostik und Planung der rehabilitierenden Behandlungsabläufe sowie die Aufklärung über die Prognose.

Patientenfall

Im folgenden Patientenfall kann dank eines entsprechenden transparenten, produktiven Umgangs mit Komplikationen eine erfolgreiche Rehabilitation einer Patientin mit einem Implantat regio 11 erläutert werden. Nach einer für sie ästhetisch unzufriedenstellenden implantatprothetischen Versorgung ihres 11 von alio loco mit leichten Missempfindungen wünschte die Patientin sich ein unbeschwertes Lächeln. Im ersten klinischen Befund imponierte der entzündete freiliegende labiale Bereich an der Implantatkrone 11 (Abb. 1-3). Im OPG (Abb. 4) schien alles unauffällig, jedoch ermöglichte die klinische Untersuchung (Abb. 5) einen Hinweis auf die Ursache. Allgemeinmedizinisch war die Patientin gesund, sie nahm keine Medikamente, war keine Raucherin, nicht an Parodontitis erkrankt und hatte akut kein Frontzahntrauma erlitten. Das Implantat hatte sie vor etlichen Jahren nach Verlust ihres Zahnes 11 gesetzt bekommen. Das Implantat hatte sich im Laufe der Jahre „verändert“, schilderte sie.

Labial bestand eine große Rezession mit V. a. Verlust des labialen Knochens. Infolge der 3D-Position des Implantats und der klinischen und röntgenologischen Analysen wurde die Patientin über die Erhaltungswürdigkeit des vorhandenen Implantats informiert. Sie wurde über die Folgen der Explantation, die Möglichkeiten einer Brückenversorgung sowie implantatprothetischen Neuversorgung in Kombination mit notwendiger GBR sowie Weichgewebsmanagement aufgeklärt. Auch wenn eine Explantation mit einem deutlichen Knochenverlust einher gehen kann, der wiederum aufwendig aufgebaut werden muss, entschied sie sich für eine neue Implantatversorgung. Es war geplant, in mehreren aufeinander abgestimmten Stufen vorzugehen, immer flexibel agierend auf das Ergebnis einer Stufe und im Sinne der Komplikationsvorbeugung bzw. -vermeidung. Nach schonender Schnittführung und Eröffnung des Situs (Abb. 6) wurde die Krone entfernt und das Implantat freigelegt (Abb. 7).

Abb. 1: Erstvorstellung in der Praxis, das infolge eines Traumas gesetzte Implantat regio 11 war insuffizient.
Abb. 2: In der Frontalansicht fiel ein Schachtelstand auf. Der labiale Anteil der Krone war verlängert, die Lachlinie war niedrig.
Abb. 3: Starke Entzündung der Gingiva, den eine erhebliche Rezession nach apikal begleitete.
Abb. 4: Ein unauffälliges zweidimensionales Röntgenkontrollbild.
Abb. 5: Implantatkrone in einer nicht mehr anatomisch korrekten Position.
Abb. 6: Atraumatische Schnittführung und vorsichtiges Ablösen der Mukosa, erhebliche Entzündung.
Abb. 7: Zustand nach Kronenentfernung, Erhaltung des „bone envelope“.
Abb. 8: Knochenreduzierung bukkal, um das Implantat entfernen zu können.
Abb. 9: Das Implantat wurde deutlich zu weit bukkal gesetzt.
Abb. 10: Zustand nach Explantation, Zugabe von Hyaluronsäure und Aufnähen eines Bioplaques.
Abb. 11: Aufgrund des erheblichen Knochendefektes sollte erst zwölf Wochen …
Abb. 12: … nach Kieferkammaugmentation implantiert werden. Der Knochendefekt war noch deutlich sichtbar.
Abb. 13: Die ursprüngliche Einziehung im Knochen hatte sich verbessert, Risiko des Attachmentverlusts mesial 22.
Abb. 14: Eröffnung des Situs entlang der ersten Schnittführung, Verbesserung von Knochenniveau und -qualität – Implantation!
Abb. 15: Abschließender Bohrvorgang im Two-drill-concept in der prothetisch geeigneten Position.
Abb. 16: Präventiv ausreichende Mobilisation des Lappens zur Vermeidung von Dehiszenzen.
Abb. 17: Abschließende Kontrolle der Implantatposition und des -winkels.
Abb. 18: Langsames kontrolliertes Eindrehen des N1-Implantates (Ø 4.00, L: 13 mm; Nobel Biocare).
Abb. 19: Optimale finale Implantatposition, der Abstand zu den Nachbarzähnen erhöhte das Potenzial einer Papillenrekonstruktion.
Abb. 20: Periimplantär sollte erneut augmentiert werden, um die Knochenqualität zu verbessern.

Die labiale Knochenlamelle war trotz der Entzündung vorhanden aber das Implantat zu weit labial prothetisch ungünstig inseriert (Abb. 8, 9). Nach Explantation wurde der Knochendefekt lediglich mit Hyaluronsäure (Regedent) und einem resorbierbareren Kollagenkegel (BioPlug, Camlog BioHorizons) versorgt (Abb. 10). Zwölf Wochen später war die klinische Situation gut abgeheilt, Hart- und Weichgewebe wurden anhand der klinischen und radiologischen Diagnostik einschätzbar (11-13). Nach sorgfältiger Analyse wurde beschlossen, zu diesem Zeitpunkt zu implantieren, um während der Implantation erneut hartgeweblich zu augmentieren. Der Bohrvorgang (Abb. 15) wurde nach Festlegung der optimalen Position des Implantates abgestuft mit dem Two-Drill-Konzept vorgenommen (OsseoDirector/OsseoShaper, Nobel Biocare). Nach Abschluss des Bohrvorganges mobilisierten wir den Lappen, um über genügend Volumen für das angestrebte Kiefervolumen zu verfügen (Abb. 16).

Es folgten die Kontrolle der prothetisch optimalen Implantatposition (Abb. 17) und die Implantatinsertion (Abb. 18). Die Wahl des Implantats fiel auf ein N1 (Nobel Biocare), welches durch das triovale Design der N1 Basis mit der Xeal Oberfläche für Stabilität und frühe Gewebeintegration entwickelt wurde. Das schlanke Emergenzprofil ist u.a. auf langfristige Gewebestabilität und Ästhetik ausgelegt. Nach Aufsetzen der Verschlussschraube wurde mittels sticky bone (PRF (mectron), Eigenknochen und The Graft, Purgo) augmentiert und der Situs mittels zwei zugeschnittener Kollagenmembranen abgedeckt (Abb. 19-25). Abschließend wurde in einem aufwendigen Verfahren, immer auf wenig Zug bedacht, der Situs vernäht (Abb. 26-28). Sieben Tage später (Abb. 29) bei der Kontrolle als auch zehn Wochen später (Abb. 30-32) zeichnete sich ein entzündungsfreies klinisches Bild ab, mit leichtem aber deutlichem Volumenzuwachs.

Weitere zwei Wochen später wurde das Implantat freigelegt, das entnommene Gewebe von Epithel befreit und als BGT-Pouch fixiert. Der Gingivaformer aus dem N1-Implantatsystem wurde für weitere zwei Wochen eingesetzt (Abb. 32-37). Im Dentallabor wurde eine provisorische Acryl-Krone hergestellt und nach Ausformung eines natürlichen Weichgewebeprofils (Abb. 38) eingesetzt (Abb. 39, 41). Der Vergleich der bedrückenden Ausgangssituation (Abb. 40, 43) und des Ergebnisses direkt (Abb. 39), nach einer halben Stunde (Abb. 41) sowie bei einer Nachkontrolle (Abb. 44-45) und mit der definitiven Krone nach zwölf Wochen Tragen der Acrylkrone (Abb. 47) stellt u. a. dank des Weichgewebsmanagements eine erfolgreiche Harmonisierung der Rot-Weiss-Ästhetik und eine vollständige Wiederherstellung der Funktion dar.

Abb. 21: Herstellung von sticky bone aus PRF (Mectron), Eigenknochen und KEM (The Graft, Purgo).
Abb. 22: Eine zuckerkreuzvernetzte Kollagenmembran (Ossix Plus, Regedent) wurde gemäß der Defektgröße zugeschnitten.
Abb. 23: Vorsichtige Applikation von sticky bone.
Abb. 24: Individuelles Anpassen an das benötigte Kiefervolumen und die Form.
Abb. 25: Die Kollegenmembran wurde in zwei Teilstücken am Defekt positioniert.
Abb. 26: Schrittweises Vernähen: Bildung eines spannungsfreien Spaltlappens.
Abb. 27: Der Mukosalappen musste mittels überlegter Nahttechnik ohne Zug optimal in Position gebracht werden.
Abb. 28: Zustand nach Fixation, fest und spannungsfrei via Haltenähte für die optimale Heilung.
Abb. 29: Zustand nach sieben Tagen leichte Entzündung aber deutliche weichgewebliche Optimierung – keine Komplikationen!
Abb. 30: Zustand nach Nahtentfernung, nach zehn Wochen war alles bereit für die Freilegung.
Abb. 31: Deutlicher Volumenzuwachs, die Maßnahmen waren ohne Einsatz eines großen (Eigen-)Knochenblocks erfolgreich.
Abb. 32: Freilegung nach dreieinhalb Monaten mit minimalinvasivem Eingriff ins Gewebe mittels Stanze.
Abb. 33: Nach Entepithelialisierung des Gewebes wurde das GBT im Sinne eines Pouchs bukkal festgenäht.
Abb. 34: Aufsetzen des Abformpfostens.
Abb. 35: Optimale prothetische und ästhetische Position des Implantats mit guten Outcome durch Weichgewebsoptimierung.
Abb. 36: Der Gingivaformer des N1-Implantats.
Abb. 37: Gingivaformer in Position, die provisorische Krone wird inzwischen im Labor angefertigt.
Abb. 38: Ein paar Wochen später wurde der Gingivaformer entfernt, Ergebnis: dickes gesundes periimplantäres Weichgewebe.
Abb. 39: Einsetzen der provisorischen Krone mit individuell angepasstem Emergenzprofil.
Abb. 40: Ausgangssituation mit nicht erhaltungswürdigem Implantat regio 11.
Abb. 41: Einsetzen der Acrylkrone: Die Kontrolle der Entzündungsmarker erfolgte regelmäßig.
Abb. 42: Röntgenkontrolle nach mehreren Monaten, osseointegriertes Implantat ringsum mit Knochen umgeben.
Abb. 43: Die fatale, ästhetisch kompromittierte Ausgangssituation des Implantates – hier in der Frontalansicht – wurde …
Abb. 44: … nun sowohl betreffend der langfristigen Implantatstablität als auch …
Abb. 45: … betreffend der Rot-Weiss-Ästhetik und Harmonie im Zahnbogenverlauf rehabilitiert.
Abb. 46: Perfekt ausgeformtes Weichgewebe trägt zum langfristigen Implantaterfolg bei.
Abb. 47: Zwei Wochen nach Einsetzen der ästhetischen definitiven Kronenversorgung.

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