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Fotostories

Prinzipien der Morphologie und Funktion beim Gewebemanagement 

Die Dicke des Alveolarknochens, die Knochenqualität, der Anteil an keratinisierter Gingiva und die Qualität der Gingiva stellen entscheidende Faktoren für den Implantaterfolg dar. Im Oberkiefer ermöglicht ein Sinuslift das Setzen von Implantaten auch im unzureichend oder schlecht dimensionierten Knochen. Komplikationen wie eine MAV und eine chronisch entzündete Alveole erhöhen den Anspruch an implantologischen/chirurgischen Maßnahmen im schwachen Lagerknochen, vor allem, wenn eine Augmentation mit Sinuslift und anschließender Implantation geplant ist.

pip Redaktion4 Min. Lesezeit
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Die Biologie entscheidet!

Nach jeder Implantatinsertion kann man mit einem bestimmten Knochenabbau rechnen. Dieser ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Neben den Implantatsystem-spezifischen Eigenschaften wie etwa durch Form, Länge, Platform Switch, Oberfläche, Verbindungstyp und Positionierung im Knochen sind patientenspezifische Voraussetzungen, das Können des Chirurgen, das chirurgisch-prothetische Vorgehen und die prothetischen Komponenten von entscheidender Bedeutung. Grundvoraussetzung für den Implantaterfolg ist die Osseointegration und die im Verlauf des Implantatlebens stabile periimplantäre Gesundheit.

Als eine Entscheidungsgrundlage zur Einschätzung „Implantaterfolg“ wird neben der Osseointegration des Implantates der radiologisch nachverfolgte periimplantäre Knochenabbau über den Verlauf eines Implantatlebens herangezogen. Das Ausmaß des marginalen Knochenabbaus ist von verschiedenen anatomischen Faktoren sowie vom chirurgisch-prothetischen Vorgehen abhängig. Der marginale Knochenabbau setzt direkt nach Implantatinsertion ein, setzt sich mit dem Einsetzen eines Abutments fort und verlangsamt sich ab dem Einsetzen einer prothetischen Versorgung.

Funktionelle Aspekte von Abutments

Die Oberfläche der Abutments, maschiniert, lasergestrahlt oder rau, ist ein weiterer Einflussparameter auf das Verhalten periimplantärer Gewebe. Je nach Oberflächenstruktur sind niedrigere Plaque- und Blutungswerte sowie ein Knochenzuwachs zu beobachten, aber auch die Weichgewebsanlagerung ist besser. Dies kann sich positiv auf die Ausbildung der periimplantären Weichgewebsmanschette auswirken.

Patientenfall

Im vorliegenden Patientenfall war der Zahn 46 vor geraumer Zeit entfernt worden, das dreidimensionale Knochenniveau ist an der Stelle reduziert (Abb. 1, 2). Der Patient ist ansonsten gesund, bis auf den fehlenden Zahn 46 vollbezahnt mit einer leichten Mittellinienverschiebung und einer leichten Absplitterung an den Inzisalkanten der Zähne 11 und 22 (Abb. 3, 4). Anhand des Ausmaßes der Einziehung am Kieferkamm (Abb. 5, 6) und nach röntgenologischer Kontrollaufnahme (Abb. 7) wird ein elf Millimeter langes Camlog Progressive Line Implantat (Ø 4.3) regio 46 geplant.

Nach einem midkrestalen Schnitt und einer ausreichend dimensionierten Lappenbildung wird zunächst die Position markiert (Abb. 8) und dann schrittweise aufbereitet (Abb. 9-11). Das Camlog-Progressive Line Implantat wird inseriert (Abb. 12-14). Anschließend wird ein nach intraoralem Scan vorab in der Dedicam CAD-Bibliothek hergestellter, einteiliger semiindividueller Gingivaformer aus PEEK eingesetzt (Abb. 15, 16). Das Dedicam Portfolio bietet eine große Auswahl an prothetischen Versorgungsmöglichkeiten. Das entwickelte individuelle Emergenzprofil des PEEK-Gingivaformers lässt sich formgleich auch auf Abformpfosten für die offene und geschlossenen Abformung übertragen.

Auf dem Kontrollröntgenbild ist die Schraube im Implantat gut erkennbar, das Material PEEK ist je nach Graustufeneinstellung leicht sichtbar (Abb. 17). Anschließend wird die freie Implantatschulter und die bukkale Kieferkammregion mit einem Gemisch aus Eigenknochen und PRF (mectron) abgedeckt (Abb. 18-21) und mittels Knopfnähten spannungsfrei vernäht (Abb. 22, 23). Der anschließende Heilungsverlauf verlief komplikationslos. Sieben Tage postoperativ kam der Patient zum Fäden ziehen (Abb. 24, 25), die Gewebesituation war entzündungsfrei. Ein neuer Gingivaformer aus PEEK (Camlog) wurde eingesetzt (Abb. 26, 27).

Abb1: Bukkale Resorption nach Zahnextraktion.
Abb 2: Vertikales Knochenniveau.
Abb. 3: Übersicht in habitueller Interkuspidation.
Abb 4: Absplitterung an den Oberkieferfrontzähnen inzisal.
Abb 5 Kontaktsituation der Gegenkieferzähne.
Abb 6: Reduzierte fixierte Gingiva bukkal regio 46.
Abb 7: Implantatplanung via OPG.
Abb 8: Schnittführung und Vorbohrung.
Abb 9: Implantatbohrung bis zum finalen Durchmesser.
Abb 10: Perfekte Übersicht dank großer Lappenbildung
Abb 12: Finale Bohrung mit dem Einmalbohrer …

Abformung zur Herstellung des definitiven Zahnersatzes

Drei Monate später kam der Patient zur Abformung für die definitive Kronenversorgung. In der Röntgenkontrollaufnahme zeigt sich, dass das Implantat gut osseointegriert und der Knochen regeneriert ist. Im Röntgenkontrollbild steht der PEEK-Gingivaformer gut im Knochen, jedoch ist der Knochen periimplantär nicht mehr knapp über der Implantatschulter (Vergleich Abb. 17). In der Projektion des Korpus des Gingivaformers erscheint im Röntgenbild jedoch der kaudale Anteil des Gingivaformers nah am Knochenrand oder in direktem Kontakt zum Knochen gelegen (Abb. 28). Das Emergenzprofil hat sich gut ausgeformt, bis zum Einsetzen der definitiven Krone wird der Gingivaformer reintegriert (Abb. 29). Auf eine dreidimensionale Röntgenaufnahme wurde mangels rechtfertigender Indikation verzichtet. Es ist im geschilderten Zusammenhang zu diskutieren, welche Auswirkungen der basale Anteil des semiindividuellen Gingivaformers auf den vorhandenen Knochen sowie – im Rahmen der Regeneration und Osseointegration – durch die Nähe zum Knochen haben könnte. Der Erhalt des Knochen-Implantat-Kontaktes auf krestaler Ebene, der durch patientenindividuelle, implantatspezifische, chirurgisch-prothetische und prothetische Parameter beeinflusst werden kann, ist entscheidend für die zukünftige periimplantäre Gesundheit.

Abb 14: Das fertig inserierte Camlog Progressive Line Implantat.
Abb 15: Der semiindividuelle Gingivaformer aus PEEK …
Abb 16: … ist einteilig.
Abb 17: Kontrollröntgen mit Gingivaformer.
Abb 18: Klinische Situation nach Einsetzen des Gingivaformers.
Abb 19: Eine Augmentation mesiobukkal vom Implantat ist notwendig.
Abb 20: Einbringen von Eigenknochenspänen.
Abb 21: Bukkale Positionierung eines PRF-Klots.
Abb 22: Spannungsfreie Fixation …
Abb 23: … mittels Nähten.
Abb 24: Sieben Tage später kommt …
Abb 25: … der Patient zur Nahtentfernung.
Abb 27: … neu eingesetzt.
Abb 28: Im OPG ist erkennbar, dass der Knochen sich zurückgezogen hat.
Abb 29: Ausgeformtes Emergenzprofil kurz vor Abformung.

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