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Auf das richtige Verhältnis kommt es an

Die Wiederherstellung eines ästhetischen dentoalveolären Verhältnisses von Hart-und Weichgewebe ist gerade bei kompromittierten Zähnen im Frontzahnbereich eine Herausforderung. Dies gilt nicht nur für den Bereich der (implantat-)prothetischen Versorgung, sondern auch für die anspruchsvollen Wünsche der Patienten.

pip Redaktion6 Min. Lesezeit
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Sofortimplantation und -versorgung abhängig vom Knochenangebot

Die Wiederherstellung eines ästhetischen dentoalveolären Verhältnisses von Hart-und Weichgewebe ist gerade bei kompromittierten Zähnen im Frontzahnbereich eine Herausforderung. Dies gilt nicht nur für den Bereich der (implantat-)prothetischen Versorgung, sondern auch für die anspruchsvollen Wünsche der Patienten. Die Versorgung von extrahierten Frontzähnen ist eine häufige Indikation zur Implantattherapie, welche je nach Situation auch als Sofortimplantation umsetzbar sind. Eine Indikation zur Sofortimplantation mit direkter Versorgung ist daher im Sinne der Patienten immer abzuwägen.

Neben den Kriterien zur Prognose einer erfolgreichen Implantattherapie wie Knochen- und Weichgewebsvolumen sind auch die Erfolgsparameter der Rot-Weiß-Ästhetik zu berücksichtigen. Asthetisch entscheidend bei einem Verlust zweier nebeneinander liegender Frontzähne ist die Papillenhöhe, welche u.a. durch das approximale Knochenniveau der Nachbarzähne mitbestimmt wird.

Im vorliegenden Patientenfall galt es abzuwägen, wie viele Implantate anstelle der beiden nicht erhaltungswürdigen Zähne 11 und 12 in der kompromittierten Frontzahnregion zu implantieren wären (Abb. 1-10). Der Mindestabstand von 3-5 mm ist nach Grunder und Tarnow bei benachbarten Zähnen (Implantaten) bedingt durch die biologische Breite entscheidend, um das Weichgewebe zu erhalten. Wird das Implantat zu nahe an benachbarte Zähne gesetzt, führt dies unmittelbar zur Knochenresorption entlang der Wurzel und zur Papillenrezession. Für den Weichteilverlauf ist eine optimale 3D-Positionierung des Implantates wichtig. Wird das Implantat zu tief oder zu sehr vestibulär gesetzt, entsteht ebenfalls das Risiko für Rezessionen. Eine nachträgliche Augmentation der Weichgewebsdefizite könnte die Morbidität der Patientin erhöhen. Anhand der schwierigen Ausgangssituation waren aufklärende Gespräche hier vorab von großer Bedeutung.

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Abb 2: Der Zahn 11 ist wurzelgefüllt und macht ebenso wie Zahn 12 Beschwerden …
Abb3: … auf heiß und kalt sowie auf Belastung. Vestibulär von 12 ist Das Gingivavolumen resorbiert.
Abb4: Eine nicht scharf begrenzte Aufhellung apikal von Zahn 11 ist zu erkennen, die sich nach lateral und medial ausgebreitet hat.
Abb5: Die Zähne sind beide nicht erhaltungswürdig und sollten mit Implantaten ersetzt werden.
Abb6: Aus ästhetischen und Gründen der Reinigungsfähigkeit könnte ein Implantat in der Front beim Platzangebot besser geeignet sein.
Abb7: Alternativ könnten zwei Implantate (hier pro Seite) inseriert werden, wenn der Implantatdurchmesser reduziert würde.
Abb8: Entscheidend sind die knöchernen Distanzen zwischen den Implantaten (mind. 5 mm).
Abb9: Ein Beispiel für eine mögliche Insertion von vier Implantaten in der Front, ausreichend Kieferkammvolumen vorhanden.
Abb10: Der Kieferkamm kann mittels KFO oder GBR optimiert werden, es sollte eine palatinal versetzte Sofortimplantation erfolgen.
Abb11: 15 Bohrspäne autologen Knochens werden nach Blutentnahme mit PRF (mectron) vermischt.
Abb12: Anschließend wird KEM (The Graft, Purgo) hinzugefügt und zu einem ‚sticky bone’ angemischt.
Abb13: Nach schonender Extraktion der Zähne 12 und 11 wurden die Alveolen vom Granulationsgewebe befreit und auskürettiert.
Abb14: Implantatpräparation mit dem N1 Bohrprotokoll für ein N1 TiUltra TCC-Implantat mit marginalem, anodisierten Bereich (gelbgold).
Abb15: N1 Basis Xeal-Abutments mit der prothetischen Plattform zur Aufnahme der temporären Abutments.
Abb16: Aufschrauben der Mesostruktur N1 Base zur Aufnahme des N1 Base Gingivaformer am Implantat regio 11.
Abb17: N1 Base Gingivaformer in situ und Ridge Preservation regio 12 und 11 mit dem zuvor hergestellten KEM-Gemisch.

Patientenfall

Nach Abwägung der Risikofaktoren und Ermittlung der relevanten Parameter entschieden wir uns für eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung mit einem Implantat regio 11, welche direkt nach der Extraktion der Zähne 11 und 12 (Abb. 4) erfolgen sollte. Um die Prognose des Sofortimplantats zu verbessern, entschieden wir uns für ein N1 TiUltra TCC-Implantat mit dem typischen marginalen, anodisierten Bereich in gelbgold (Nobel Biocare). Das N1-System ermöglicht eine beschleunigte Osseointegration in Kombination mit hoher Primärstabilität der Implantate bei Sofortimplantation und verfügt über ein abgestimmtes Abutment-Prothetiksystem (Abb. 13-16).

Ästhetisch und funktionell via 3D-Druck (SprintRay-Drucker, Nobel Biocare) sicher und schnell herstellbare Langzeitprovisorien führten mit der einmal integrierten N1 Base zu einer sicheren direkten ästhetischen Sofortversorgung der Patientin. Die biologisch und prothetisch notwendige Distanz zwischen Knochen und Implantat (Abb. 10) wurde durch eine palatinal versetzte Position des Implantats erreicht (Abb. 14, 15) und das Knochendefizit mittels GBR mit PRF (mectron) und KEM (The Graft, Purgo) (Abb. 11, 12) aufgebaut (Abb. 17).

Im Zusammenhang mit der Implantation war eine neue ästhetische hybride Brückenversorgung über das Implantat 11 und die Zähne 13 und 21 angedacht. Nach primärer Ausheilung der Weichgewebe wurden die Zähne 13 und 21 neu beschliffen und abgeformt. Das mittels Komposit (Clear Fill, Kuraray) via Sprintray 3D-gedruckte Flügelprovisorium wurde auf den N1 Basis Xeal-Abutments mit der prothetischen Plattform verklebt und zur Aufnahme der temporären Abutments inkorporiert (18-20). Das Implantat sollte für vier Monate einheilen. Nach Einsetzen der definitiven Versorgung, einer Brückenversorgung aus Zirkonoxid und direkt verschraubter Nobel-Procera Zirconia Implant Crown regio 11 mit bukkaler Verblendung zeigte sich, dass das vestibuläre Weichgewebe nicht optimal war (Abb. 22-24).

Daraufhin wurde minimalinvasiv vestibulär von regio 12 mittels BGT aus dem Gaumen aufgebaut (Abb. 25-32). Die Röntgenkontrolle nach fünf Monaten spiegelte das Bild einer ästhetischen, gut osseointegrierten implantatprothetischen Versorgung wider (Abb. 33-34). Weitere drei Monate später zeigte sich die Patientin bei der Kontrolle hochzufrieden mit ihrer Versorgung (Abb. 35).

Abb18: Mit dem SprintRay (Nobel Biocare) geprintetes Provisorium in 23 Schalentechnik.
Abb19: Das Provisorium wurde mit Clearfill Core unterfüttert, ausgearbeitet und auf dem provisorischen Abutment fixiert.
Abb20: Vier Monate später: Abformung mit den Nachbarzähnen, langzeitstabile Weichgewebsintegration.
Abb21: Einfügen eines BGT als Rolllappen inseriert. Das periimplantäre 26 Weichgewebe hat sich bereits gut entwickelt
Abb22: Weitere vier Wochen später ist ein positives Ergebnis mit einem allerdings zu beobachtenden,…
Abb23: … dünnen Gingivavolumen vestibulär zu erkennen. Die Prognose des Sofortimplantats ist abhängig von der Quantität…
Abb24: ….und Qualität der das Implantat umgebenden Weichgewebestruktur. Die Rot-Weiß-Ästhetik könnte noch verbessert werden. Daher …
Abb25: .. wurde eine weitere Maßnahme zur Verdickung des Weichgewebes geplant. Nach lateralem Schnitt wurde das Bindegewebe vorsichtig abpräpariert.
Abb26: Entnahme eines Transplantats aus dem Gaumen unter Beachtung der Arteria palatina.
Abb27: Vestibulär wurde mittels Tunnelpräparation mit lateralem Zugang Platz für ein BGT geschaffen.
Abb28: Anpassen des BGT zum optimalen Ausgleich der weichgeweblichen Situation vestibulär regio 12/11.
Abb29: Minimalinvasive Schnittführung unter Aussparung der ästhetisch relevanten Bereiche.
Abb30: Das BGT ist wiederum über eine Tunnelierung in situ und wird …
Abb31: … mittels spannungsfreier Knopfnähte (hier Ansicht des Gaumens)
Abb32: Das Weichgewebe wird mit Nähten über den verblockten Anteil des Provisoriums zirkulär in optimaler Position fixiert.
Abb33: Röntgenkontrolle vor Einsetzen der definitiven Restauration nach fünf Monaten.
Abb34: Finale Brückenversorgung sowie direkt verschraubte Nobel-Procera Zirconia Implant Crown mit bukkaler Verblendung.
Abb35: Kontrolle nach weiteren drei Monaten, das lächelnde Ergebnis bildet nun einen harmonischen Rahmen.
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