Sofortimplantation und -versorgung abhängig vom Knochenangebot
Die Wiederherstellung eines ästhetischen dentoalveolären Verhältnisses von Hart-und Weichgewebe ist gerade bei kompromittierten Zähnen im Frontzahnbereich eine Herausforderung. Dies gilt nicht nur für den Bereich der (implantat-)prothetischen Versorgung, sondern auch für die anspruchsvollen Wünsche der Patienten. Die Versorgung von extrahierten Frontzähnen ist eine häufige Indikation zur Implantattherapie, welche je nach Situation auch als Sofortimplantation umsetzbar sind. Eine Indikation zur Sofortimplantation mit direkter Versorgung ist daher im Sinne der Patienten immer abzuwägen.
Neben den Kriterien zur Prognose einer erfolgreichen Implantattherapie wie Knochen- und Weichgewebsvolumen sind auch die Erfolgsparameter der Rot-Weiß-Ästhetik zu berücksichtigen. Asthetisch entscheidend bei einem Verlust zweier nebeneinander liegender Frontzähne ist die Papillenhöhe, welche u.a. durch das approximale Knochenniveau der Nachbarzähne mitbestimmt wird.
Im vorliegenden Patientenfall galt es abzuwägen, wie viele Implantate anstelle der beiden nicht erhaltungswürdigen Zähne 11 und 12 in der kompromittierten Frontzahnregion zu implantieren wären (Abb. 1-10). Der Mindestabstand von 3-5 mm ist nach Grunder und Tarnow bei benachbarten Zähnen (Implantaten) bedingt durch die biologische Breite entscheidend, um das Weichgewebe zu erhalten. Wird das Implantat zu nahe an benachbarte Zähne gesetzt, führt dies unmittelbar zur Knochenresorption entlang der Wurzel und zur Papillenrezession. Für den Weichteilverlauf ist eine optimale 3D-Positionierung des Implantates wichtig. Wird das Implantat zu tief oder zu sehr vestibulär gesetzt, entsteht ebenfalls das Risiko für Rezessionen. Eine nachträgliche Augmentation der Weichgewebsdefizite könnte die Morbidität der Patientin erhöhen. Anhand der schwierigen Ausgangssituation waren aufklärende Gespräche hier vorab von großer Bedeutung.
Patientenfall
Nach Abwägung der Risikofaktoren und Ermittlung der relevanten Parameter entschieden wir uns für eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung mit einem Implantat regio 11, welche direkt nach der Extraktion der Zähne 11 und 12 (Abb. 4) erfolgen sollte. Um die Prognose des Sofortimplantats zu verbessern, entschieden wir uns für ein N1 TiUltra TCC-Implantat mit dem typischen marginalen, anodisierten Bereich in gelbgold (Nobel Biocare). Das N1-System ermöglicht eine beschleunigte Osseointegration in Kombination mit hoher Primärstabilität der Implantate bei Sofortimplantation und verfügt über ein abgestimmtes Abutment-Prothetiksystem (Abb. 13-16).
Ästhetisch und funktionell via 3D-Druck (SprintRay-Drucker, Nobel Biocare) sicher und schnell herstellbare Langzeitprovisorien führten mit der einmal integrierten N1 Base zu einer sicheren direkten ästhetischen Sofortversorgung der Patientin. Die biologisch und prothetisch notwendige Distanz zwischen Knochen und Implantat (Abb. 10) wurde durch eine palatinal versetzte Position des Implantats erreicht (Abb. 14, 15) und das Knochendefizit mittels GBR mit PRF (mectron) und KEM (The Graft, Purgo) (Abb. 11, 12) aufgebaut (Abb. 17).
Im Zusammenhang mit der Implantation war eine neue ästhetische hybride Brückenversorgung über das Implantat 11 und die Zähne 13 und 21 angedacht. Nach primärer Ausheilung der Weichgewebe wurden die Zähne 13 und 21 neu beschliffen und abgeformt. Das mittels Komposit (Clear Fill, Kuraray) via Sprintray 3D-gedruckte Flügelprovisorium wurde auf den N1 Basis Xeal-Abutments mit der prothetischen Plattform verklebt und zur Aufnahme der temporären Abutments inkorporiert (18-20). Das Implantat sollte für vier Monate einheilen. Nach Einsetzen der definitiven Versorgung, einer Brückenversorgung aus Zirkonoxid und direkt verschraubter Nobel-Procera Zirconia Implant Crown regio 11 mit bukkaler Verblendung zeigte sich, dass das vestibuläre Weichgewebe nicht optimal war (Abb. 22-24).
Daraufhin wurde minimalinvasiv vestibulär von regio 12 mittels BGT aus dem Gaumen aufgebaut (Abb. 25-32). Die Röntgenkontrolle nach fünf Monaten spiegelte das Bild einer ästhetischen, gut osseointegrierten implantatprothetischen Versorgung wider (Abb. 33-34). Weitere drei Monate später zeigte sich die Patientin bei der Kontrolle hochzufrieden mit ihrer Versorgung (Abb. 35).
Autor





































