Heilungsförderung in der Implantologie
Die Einheilung von Dentalimplantaten stellt ein komplexes Geschehen dar. Sie ist u. a. abhängig von implantatbezogenen Parametern (Implantatdesign, -material, -oberfläche) und patientenbezogenen Faktoren (Knochenqualität, systemische Gesundheit).
Die Einheilung von Dentalimplantaten stellt ein komplexes Geschehen dar. Sie ist u. a. abhängig von implantatbezogenen Parametern (Implantatdesign, -material, -oberfläche) und patientenbezogenen Faktoren (Knochenqualität, systemische Gesundheit).
Eine schnelle und gute Integration der Implantate äußert sich in einer erfolgreichen Primärstabilität der Implantate während ihrer frühen Osseointegration. Im weiteren Verlauf der Einheilphase sind die Sekundärstabilität der Implantate und die Ausbildung einer engen Weichgewebsmanschette nach Implantatfreilegung die entscheidenden Parameter für die weitere Einheilung, sofern es sich um konventionelle zweizeitige Implantatinsertionen handelt. Ein Großteil der vorliegenden Auswahl von RCT und systematischen Übersichtsarbeiten (u. a. insbesondere zu Daten aus präklinischen In vitro- und tierexperimentellen Studien) beschäftigt sich daher mit dem Einfluss verschiedener Implantat-, Abutmentoberflächen bzw. ihrer Oberflächenbehandlung auf die Integration im Hart- und Weichgewebe.
Implantatoberflächen, die mittels galvanischer Oxidation hergestellt wurden und aus einer Schicht aus Titandioxid und Kalziumphosphat bestehen, scheinen die Osseointegration und Implantatstabilität im Tierexperiment am besten zu fördern, während hydrophile, nanostrukturierte Oberflächen zu einer frühen Knochenbildung und zu einer Beschleunigung der Knochenheilung führen [Hao, et al., 2021]. Weitere tierexperimentelle Studien ergaben eine signifikante Verbesserung des Knochen-Implantat-Kontakts (BIC) bei bioaktivierten Implantatoberflächen u. a. mittels Peptidschichten [Shayeb, et al., 2024]. In vitro-Studien zu bioaktiven Beschichtungen von Titanoberflächen ergaben, dass biomimetische Apatitbeschichtungen mit einem Fibroblasten-Wachstumsfaktor-2 zu einer nahezu natürlichen Weichgewebsanlagerung führen und dass nanostrukturierte Keramikbeschichtungen die Bildung von hemidesmosomalen Zelladhäsionsstrukturen fördern [Uehara, et al., 2025]. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch Titan-Nanotubes die frühe Weichgewebsheilung durch einen signifikanten Anstieg der Fibroblastenproliferation in den ersten Tagen im Vergleich zu handelsüblichem Titan fördern [Baraka, et al., 2025]. In einer weiteren Übersichtsarbeit zu In vitro-Studien führten Nanotubes oder Mikrorillen auf Zirkonoxid- und Titanoberflächen sowie UV-Behandlungen, Polydopamin- oder Nitridbeschichtungen zu einer signifikanten Förderung der Proliferation menschlicher Gingivafibroblasten [Paul, et al., 2021]. Kollagenbeschichtungen, Elektropolituren, Plasmareinigungen und Laservorbehandlungen führten bei Titanabutments zu einer verbesserten Zelladhäsion und -proliferation im Weichgewebe [Corvino, et al., 2020].
Nanobeschichtungen aus Gold führten im Tierexperiment zu einer stärkeren Knochenbildung und -dichte im Vergleich zu unbeschichteten Implantaten [Faiz, et al., 2024]. Nanobeschichtete Oberflächen aus Graphen konnten zu einer verstärkten Osseointegration führen und zeigten auch einen signifikanten Einfluss auf die Reduktion der Biofilmbildung [Rayannavar, et al., 2024]. Nanostrukturierte Oberflächen u. a. mit Fluorid-Ionen oder Nanopartikeln aus Silber führten in klinischen Humanstudien zu einer Verbesserung der Knochendichte und in tierexperimentellen Studien zu einer Verbesserung der frühen Osseointegration, die während späterer Heilungsphasen keinen Einfluss mehr hatten [Șerbănescu, et al., 2025]. Bei nanostrukturierten Oberflächen 3D-gedruckter Titanimplantate konnten eine signifikant verbesserte Osseointegration und ein krestaler Knochenerhalt infolge der Förderung der Zelladhäsion, der Mineralisierung der Knochenmatrix und der osteogenen Differenzierung durch eine erhöhte Integrinexpression beobachtet werden [Yang, et al., 2023].
Eine Photofunktionalisierung führte im Tiermodell während der frühen Einheilphase zu einer besseren Osseointegration im Vergleich zu unbehandelten Kontrollimplantaten [Dini, et al., 2020]. Laserbehandlungen werden in der Literaturauswahl als weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der geweblichen Integration von Implantaten während der Einheilphase beschrieben. Die Photobiomodulationstherapie (PBMT) mittels Diodenlaser wird in der Literatur relativ häufig als Verfahren beschrieben, welches im zeitlichen Zusammenhang mit der Implantatinsertion in klinischen Humanstudien angewendet wurde. In einer RCT führte die PBMT zu einer signifikant besseren Heilung (gemessen mit dem Heilungsindex, HI) und einem signifikant geringeren postoperativen Entzündungsrisiko im Vergleich zur Plazebogruppe [Camolesi, et al., 2023]. In einer anderen RCT konnte demgegenüber kein Einfluss der PBMT auf postoperative Entzündungen und Schmerzen beobachtet werden [Collado-Murcia, et al., 2024]. Ergebnisse weiterer RCT zeigten ebenfalls keinen signifikanten Einfluss der PBMT auf die postoperativen Schmerzen, jedoch führten sie zu einer Beschleunigung der Einheilung und zu einer Steigerung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität [Pucca und Pinheiro, 2025] sowie zusätzlich zu einer besseren Implantatstabilität und signifikant geringeren krestalen Knochenverlusten während der Einheilphase [Sama, et al., 2025]. Auch in systematischen Reviews konnten nach einer PBMT mittels Periotest bessere Ergebnisse bei der Implantatstabilität ermittelt werden [Arshad, et al., 2025, Saini, et al., 2024]. In einer anderen Übersichtsarbeit konnte ein signifikanter Einfluss der PBMT auf eine Verbesserung der Heilung des Weichgewebes und der Reduktion postoperativer Entzündungen und Ödeme beobachtet werden [Niedzielska, et al., 2026].
Ein weiterer systematischer Review bestätigte zwar den positiven Einfluss der PBMT auf postoperative Schwellungen [Qu, et al., 2022], signifikante Verbesserungen der Implantatstabilität, der Linderung postoperativer Schmerzen oder der Osteogenese wurden demgegenüber nicht beobachtet. In zwei RCT führten die Gabe von Thrombozytenkonzentraten nicht zu einer besseren Implantatstabilität [Gaur, et al., 2022, Naeimi Darestani, et al., 2023]. In einem anderen Review führte während der Einheilphase die Gabe von PRF zu einer Erhöhung der Implantatstabilität und zu einer Beschleunigung der Knochenheilung [Guan, et al., 2023]. Ein weiterer systematischer Review ergab, dass L-PRF nur einen positiven Effekt auf die Sekundärstabilität der Implantate während der Einheilphase hat und keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die Primärstabilität hatte [Lyris, et al., 2021].
Insgesamt zeigt sich, dass derzeit viele verschiedene Ansätze zur Heilungsförderung bestehen, die jedoch aufgrund der hohen Anzahl an In vitro- und Tierstudien aktuell eine nur bedingte klinische Relevanz haben.

