Eigentlich freut es doch, dass mit dem Thema Keramikimplantate mal wieder ein frischer Wind durch die im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts inzwischen scheinbar so unspektakuläre dentale Implantologie weht. Während die Begeisterung für den entdeckten Bündelknochen damals den Insiderkreisen vorbehalten blieb, erfreuen die weißen Implantate auch den Patienten und scheinen einigen die Angst vor einer in den Knochen gebohrten Schraube zu nehmen. „Wenn Sie es nicht schaffen Ihre Lösung für den Patienten attraktiv zu machen, wird er Ihnen vielleicht gar
nicht die Möglichkeit geben ihn funktional ideal zu versorgen“, so Dr. Eduardo de la Torre am Kongress in Dubai. Vielleicht führt das Interesse an Keramikimplantaten einen Patienten in Ihre Praxis, der sie dann letzlich doch mit einem extrakurzen Titanimplantat zufrieden und wohlversorgt verlässt.

Mit „Periimplantitis ist ein Ausdruck aus der Titanwelt“ und „in 20 Jahren werden wir uns für die Titanversorgungen von heute bei unseren Patienten entschuldigen“ ist dem zarten, wenn auch in einigen Bereichen vielversprechenden Pflänzchen Keramikimplantate aber kein Gefallen getan. Die auch von Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz an der DGI-Pressekonferenz beklagte zu große Emotionalität bezüglich der Materialien schadet der Debatte und spaltet die ungebrochene Minderheit der implantologisch tätigen Zahnärzte und Chirurgen in weitere Lager.

Dass die Anwender von Keramikimplantaten endlich aus der Ecke der wünschelrutengehenden und periimplantitispendelnden Esoteriker raus durften, ist nur gerecht. Statt nun aber die Nutzer von Titanimplantaten heulend vom Hof zu jagen, sollte man gemeinsam am Tisch bleiben, indikationsbedingt handeln und prüfen, in welchen Bereichen man voneinander lernen, profitieren und sich weiterentwickeln kann.