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Bioaktivierte laterale Kieferkammaugmentation mit Xenograft und quervernetzter Hyaluronsäure

Die Guided Bone Regeneration (GBR) ist der Standard zur Behandlung lokalisierter alveolärer Defekte [1].

Dr. med. dent. Danijel Domic5 Min. Lesezeit
Das ehemalige Augmentat wies die Eigenschaften vitalen Knochens auf.

Die Guided Bone Regeneration (GBR) ist der Standard zur Behandlung lokalisierter alveolärer Defekte [1]. Horizontale Augmentationen sind oft durch eingeschränkte Stabilität und langsame Revaskularisierung geprägt [2]. Ein moderner Ansatz kombiniert bovines Xenograft, resorbierbare Kollagenmembran und quervernetzte Hyaluronsäure (xHyA). xHyA verwandelt das Material in einen kohäsiven „Sticky Bone“-Komplex, verbessert das Handling und stabilisiert das Fibrinkoagel. Dies fördert schnellere Angiogenese, verlässlichen Volumenzuwachs und hochwertige Knochenneubildung – Grundlage für erfolgreiche Implantate.

Die Vorhersagbarkeit implantatgetragener Versorgungen hängt eng mit der Verfügbarkeit von Knochen und Weichgewebe zusammen. Laterale Kammatrophien erfordern eine horizontale Augmentation, um eine prothetisch orientierte Implantatpositionierung zu ermöglichen; andernfalls kann es zu Implantatversagen kommen [3]. Eine klassische laterale Augmentation mit deproteinisiertem bovinem Knochenersatzmaterial (DBBM) und nativer Kollagenmembran (NCM) kann langfristig zu Volumenverlust oder unzureichender biologischer Integration führen [4].

Biologics: Die Rolle der quervernetzten Hyaluronsäure

Die Integration einer quervernetzten Hyaluronsäure stellt einen wichtigen Fortschritt zur Biologisierung dar. Im Gegensatz zur nativen Hyaluronsäure verbleibt die quervernetzte Matrix (hyaDent BG, Regedent GmbH) über mehrere Wochen im Augmentat. Hyaluronsäure ist ein zentraler Bestandteil der extrazellulären Matrix und wirkt als Signalmolekül. In der GBR erfüllt sie drei Hauptfunktionen:

  1. Sie beschleunigt Zellwachstum und Zellmigration, was zu schnellerer Vaskularisierung und knöcherner Integration des KEM führt und eine schnellere sowie ausgeprägtere Knochenneubildung bewirkt [9].
  2. Ihre antiinflammatorischen und bakteriostatischen Eigenschaften schaffen eine biologische Barriere gegen frühzeitige Kontamination und verbessern die Wundheilung. Zudem kann durch die Kombination mit xHyA die Resorptionszeit von Kollagenmembranen verlängert werden [10,11].
  3. Durch ihre hydrophile Natur stabilisiert sie das Fibrinkoagel und verbessert so die frühe Wundstabilität als Grundlage der Regeneration [12]. Mit xHyA wird das KEM von einem reinen Platzhalter zu einem bioaktiven Komplex, der die körpereigene Heilung aktiv unterstützt. Erste klinische Vorteile für Knochenaugmentation und Alveolar Ridge Preservation wurden in zwei unabhängigen systematischen Übersichtsarbeiten zusammengefasst und kürzlich veröffentlicht [13,14].

Fallpräsentation

Der 40-jährige Patient stellte sich am Fachbereich für Orale Chirurgie der Universitätszahnklinik Wien (Medizinische Universität Wien, Österreich) vor. Die medizinische Anamnese ergab ein Asthma bronchiale sowie eine Histaminintoleranz. Die erste klinische Untersuchung und 3D-Bildgebung zeigten einen retinierten Eckzahn sowie eine Odontombildung. Eine kieferorthopädische Behandlung lehnte er ab und entschied sich für die Entfernung von Zahn und Odontom in regio 13. Etwa sechs Monate post operationem wurde der knöcherne Defekt in der Region 13 erneut radiologisch beurteilt. Ein 4 mm breiter Alveolarkamm mit einem „dehiscence-type“ Defekt verhinderte ein einzeitiges Verfahren. Da der Patient jedoch ein langfristig funktionelles sowie optisch hochästhetisches Ergebnis wünschte, wurde ein zweizeitiges GBR-Protokoll gewählt, bei dem ein bovines Xenograft und eine resorbierbare Kollagenmembran, beide mit quervernetzter Hyaluronsäure (xHyA, hyaDent BG, Regedent GmbH) konditioniert, vor der Implantation eingesetzt, um die notwendige bukkale Kontur wiederherzustellen.

Eingriff

Das Operationsgebiet wurde mittels Mukoperiostlappen mit trapezförmiger Inzision freigelegt und die bukkale Kortikalis dekortikalisiert (Abb. 1, 2). Die bovinen Knochenpartikel wurden mit quervernetzter Hyaluronsäure zu einer Art „Sticky Bone“ vermischt (Abb. 3). Innerhalb von etwa 60 Sekunden entstand eine formbare, kohäsive Masse, die sich gut an die laterale Knochenwand anlegte (Abb. 4) und eine präzise, stabile Augmentation ohne Partikelverschiebung ermöglichte. Das Augmentat wurde mit einer xHyA-konditionierten resorbierbaren Kollagenmembran abgedeckt (Abb. 5) und mit Titanpins fixiert (Abb. 6). Die Wunde wurde spannungsfrei mit monofilamentem Faden 5/0 verschlossen (Abb. 7, 8) und das restliche xHyA direkt aufgetragen.

Ausgangssituation: Darstellung des Knochendefekts sechs Monate nach der retinierten Zahn- und Odontomentfernung
1 Ausgangssituation: Darstellung des Knochendefekts sechs Monate nach der retinierten Zahn- und Odontomentfernung.
Vorbereitung des Operationsgebietes für die gesteuerte Augmentation
2 Vorbereitung des Operationsgebietes für die gesteuerte Augmentation.
Mischen des bovinen Xenografts mit hyaDent BG zur Herstellung von „Sticky Bone“
4 Mischen des bovinen Xenografts mit hyaDent BG zur Herstellung von „Sticky Bone“.
Auffüllung des Defektbereichs; optimale Konturierung des Augmentats
5 Auffüllung des Defektbereichs; optimale Konturierung des Augmentats.
Abdeckung des augmentierten Defekts mit einer resorbierbaren Kollagenmembran,
5 Abdeckung des augmentierten Defekts mit einer resorbierbaren Kollagenmembran, …
… die mit Titan-Pins befestigt wurde
6 … die mit Titan-Pins befestigt wurde.
Ein primärer spannungsfreier und
7 Ein primärer spannungsfreier und …
… speicheldichter Wundverschluss wurde gewährleistet
8 … speicheldichter Wundverschluss wurde gewährleistet.
Darstellung der Zahnlücke in der regio 13 vier Monate nach lateraler Augmentation
9 Darstellung der Zahnlücke in der regio 13 vier Monate nach lateraler Augmentation.
Krestale Schnittführung in der regio 13 und Darstellung des Augmentats
10 Krestale Schnittführung in der regio 13 und Darstellung des Augmentats.
Das ehemalige Augmentat wies die Eigenschaften vitalen Knochens auf
11 Das ehemalige Augmentat wies die Eigenschaften vitalen Knochens auf.
Bei der Präparation eines Implantatbettes zeigte sich eine hohe Stabilität und gesunde Durchblutung
12 Bei der Präparation eines Implantatbettes zeigte sich eine hohe Stabilität und gesunde Durchblutung.
Hervorragende Primärstabilität (>35Ncm) als Zeichen der guten knöchernen Integration des Augmentats
13 Hervorragende Primärstabilität (>35Ncm) als Zeichen der guten knöchernen Integration des Augmentats.
Re-Entry nach vier Monaten. Ausreichend wiederhergestellter Alveolarkamm mit einer vollständigen Integration des Augmentats
14 Re-Entry nach vier Monaten. Ausreichend wiederhergestellter Alveolarkamm mit einer vollständigen Integration des Augmentats.
Prothetische Lösung durch eine verschraubte Keramikkrone (Prothetikerin: Dr. Anja Jankovic-Pejicic)
15 Prothetische Lösung durch eine verschraubte Keramikkrone (Prothetikerin: Dr. Anja Jankovic-Pejicic).
Das Röntgenbild zeigt die ausgezeichnete knöcherne Integration des Implantats mit stabilem periimplantären Knochenvolumen
16 Das Röntgenbild zeigt die ausgezeichnete knöcherne Integration des Implantats mit stabilem periimplantären Knochenvolumen.

Nachsorge

Der Patient erhielt für fünf Tage ein Antibiotikum (875 mg Amoxicillin mit 125 mg Clavulonsäure) sowie ein Schmerzmittel (400 mg Ibuprofen) verschrieben. Zur Sicherstellung einer ungestörten Weichgewebeheilung wurde der Patient angewiesen, für 14 Tage zweimal täglich mit einer 0,1-%igen Chlorhexidin-Lösung zu spülen und jegliche mechanische Druckbelastung (z. B. durch provisorische Versorgungen) im Operationsgebiet zu vermeiden. Nach 14 Tagen wurden die Nähte entfernt und es zeigte sich eine ausgezeichnete primäre Wundheilung (Abb. 9).

Klinisches Ergebnis und Implantatpositionierung

Nach vier Monaten Einheilzeit erfolgte die Implantatinsertion. Klinisch zeigte sich eine ausgezeichnete Volumenstabilität des Augmentats mit signifikanter Zunahme der horizontalen Kammbreite. Das ehemalige Augmentat wies die Eigenschaften vitalen Knochens auf und zeigte bei der Präparation des Implantatbettes eine hohe Stabilität und eine gesunde Durchblutung (Abb. 10–12). Indiz für die gute Integration der bovinen Knochenpartikel war das hohe Eindrehmoment. Ein Implantat (Straumann BLT SLAactive 3,3 x 12 mm, Straumann) konnte präzise prothetisch korrekt inseriert werden (Abb. 13, 14). Die prothetische Versorgung erfolgte mittels einer verschraubten Keramikkrone (Abb. 15). Bei der radiologischen Nachuntersuchung zeigte sich eine ausgezeichnete knöcherne Integration des Implantats mit stabilem periimplantären Knochenvolumen (Abb. 16).

Fazit

Die Kombination aus bovinem Xenograft, resorbierbarer Kollagenmembran und xHyA verbessert die Vorhersagbarkeit eines konventionellen GBR-Protokolls. Das „Sticky Bone“ erleichtert das Handling und erhöht die Lagestabilität. Biologisch beschleunigt xHyA die Integration des Augmentats und die Knochenneubildung. Dieses Protokoll bietet eine zuverlässige Lösung für laterale Knochenaugmentation und bereitet den regenerierten Kieferkamm optimal auf einen langfristigen Implantaterfolg vor.

Autor

Dr. med. dent. Danijel Domic

Dr. med. dent. Danijel Domic

  • 2013-2017 Zahnmedizinstudium an der Universitätszahnklinik der Medizinischen Universität Wien
  • Seit 2018 Univ.-Assistent,, Fachbereich für Orale Chirurgie, Universitätszahnklinik Wien
  • Seit 2021 PhD-Studium an der Medizinischen Universität Wien
  • Aktives Mitglied in nationalen und internationalen Fachgesellschaften (ÖGI, EAO, ITI, Osteology Foundation)

danijel.domic@meduniwien.ac.at
www.instagram.com/doc_danivienna

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