Lamina-Technik: Perfekte Weichgewebsästhetik durch vorhersehbare knöcherne Augmentation
Benachbarte Implantate in der ästhetischen Zone sind immer eine Herausforderung. Aufgrund der grundsätzlich unterschiedlichen Biologie von Zähnen und Implantaten ist es nicht einfach, eine natürliche interimplantäre Papille zu rekonstruieren. Je nach Literatur kann man zwischen 2-3,5 Millimetern Weichgewebe zwischen zwei Implantaten erwarten.
Prof. Dr. med. dent. Arndt Happe3 Min. Lesezeit
Da es - im Gegensatz zu natürlichen Zähnen - zwischen zwei Implantaten kein superkrestales Attachment und somit keinen suprakrestalen Faserapparat gibt, wird die Höhe durch den interimplantären Knochen determiniert. Nicht zuletzt deswegen ist eine suffiziente Knochenaugmentation im ästhetischen Bereich besonders wichtig.
Der Patientenfall
Eine anamnestisch unauffällige Patientin mit stabilen parodontalen Verhältnissen stellte sich nach Verlust der beiden zentralen Inzisiven im Oberkiefer vor. Klinisch imponierte eine horizontale Resorption (Abb. 1-3). Nach prothetischer Planung unter Zuhilfenahme von Fotos und Modellen erfolgte die Planung der korrekten dreidimensionalen Implantatposition. Bei der Implantatinsertion diente eine konventionelle Orientierungsschablone zur Überprüfung der Implantatposition und zusätzlich zur Beurteilung der knöchernen Situation zwischen den Implantaten (Abb. 4, 5). Insbesondere die Position der zukünftig geplanten Papille ist dabei von Interesse, da diese knöchern unterlegt sein muss.
1 Lippenbild der Patientin mit Verlust der Zähne 11, 21.
2 Intraorale Situation.
3 3D-Rendering der Knochensituation regio 11, 21.
4 Intraoperative Situation nach Implantation mit Dehiszenzdefekten 11, 21.
5 Kontrolle der Insertionstiefe.
6 Die Bone-Lamina Soft Membran wurde mit zwei Titanpins bukkal befestigt.
7 Augmentation bukkal und krestal mit xenogenem Ersatzmaterial.
8 Abdecken des Augmentates mit der Bone-Lamina Soft Membran.
9 Mikrochirurgischer Verschluss der Wunde mit 5-0 und 6-0 Naht.
10 Der postoperative Zahnfilm zeigt die Implantate und Titanpins.
11 Zustand drei Monate postoperativ.
12 Die Kontur des Alveolarfortsatzes wurde erfolgreich augmentiert, die Papille ist auch im sichtbaren bukkalen Bereich voluminös.
Die Therapieschritte
Nach Insertion der Implantate (Bone level Tapered 3.3, Straumann) erfolgte eine Augmentation mit einem porzinen Knochenersatzmaterial (Osteobiol MP3, Tecnoss) und einer Kollagenmembran (Bone-Lamina 0,5 mm, Osteobiol Tecnoss) (Abb. 6-9). Um eine optimale vorhersehbare Regeneration zu erhalten, wurde die Membran bukkal mit zwei Titanpins fixiert (Abb. 10).
Drei Monate später zeigte sich eine suffiziente Augmentation des Bereichs, sodass eine minimalinvasive Freilegung mit einer durchmesserreduzierten Schleimhautstanze (ø 3 mm) durchgeführt werden konnte (Abb. 11-15). In der prothetischen Phase wurde das Emergenzprofil der Suprakonstruktion so designed, dass die transmukosale Komponente im krestalen Bereich schlank startet und nach koronal ein zunehmend anatomisches Profil erhält. Dadurch ist die Suprakonstruktion krestal knochenprotektiv gestaltet und unterstützt im marginalen Bereich das Weichgewebe (Abb. 16-24). Die Abschlussbilder zeigen eine gute und natürliche Ästhetik (Abb. 25, 26).
13 Ausgeheilter Bereich von bukkal.
14 Das interimplantäre Gewebe weist die optimale Höhe auf.
15 Minimalinvasive Freilegung mit durchmesserreduzierter Stanze.
16 Gingivaformer in situ, optimale vertikale Weichgewebshöhe.
17 Auch nach bukkal ist ausreichend Gewebe vorhanden.
18 Abformpfosten für konventionelle Abformung in situ.
19 Die vollkeramischen Implantatkronen auf dem Modell weisen ein schlankes Emergenzprofil auf.
20 Insertion der Kronen im Mund. Die Ischämie regio 11 weist auf leichten Druck auf das periimplantäre Weichgewebe hin.
21 Das ausgeformte periimplantäre Weichgewebe.
22 Implantatkronen in situ.
23 Das überprojizierte Röntgenbild der Suprakonstruktion verdeutlicht die Gestaltung der transmukosalen Komponente.
24 Zahnfilm der Implantate nach prothetischer Versorgung.
25 Intraorales Abschlussbild.
26 Lippenbild der Patientin nach Abschluss der Behandlung.
Autor
Prof. Dr. med. dent. Arndt Happe
1989-1994 Zahnmedizinstudium, Univ. Münster
1996 Promotion
1999 Niedergelassen in eigener Praxis in Münster
200 Berechtigung z. Durchführung v. Hospitationen u. Supervisionen im Rahmen des Curriculum Implantologie der Konsensuskonferenz.
Ermächtigung zur Weiterbildung „Oralchirurgie“ durch die ZÄKWL
2004 Erfolgreicher Abschluss des Postgraduiertenprogramms Curriculum Parodontologie der APW, Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie
2013 Habilitation und Verleihung der venia legendi für das Fach Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten an der hohen Universität zu Köln
2018 Buchpublikation „Erfolg mit Implantaten in der ästhetischen Zone“, Quintessenz, Berlin
2023 Umhabilitation an die Universität Ulm, Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde