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Sofortbelastung und Sofortversorgung

Vor mehr als zehn Jahren wurde bereits eine Literaturzusammenstellung in pip 3/2015 zu Sofortversorgungs- und Sofortbelastungsprotokollen veröffentlicht, die in pip 4/2020 noch einmal einer Revision unterzogen wurde.

pip Redaktion4 Min. Lesezeit

Vor mehr als zehn Jahren wurde bereits eine Literaturzusammenstellung in pip 3/2015 zu Sofortversorgungs- und Sofortbelastungsprotokollen veröffentlicht, die in pip 4/2020 noch einmal einer Revision unterzogen wurde.

Diese beiden Protokollarten stehen in enger Verbindung mit dem Implantationszeitpunkt und können mit einer Sofort-, Früh-, verzögerten oder konventionellen Implantatinsertion kombiniert werden. Dabei stehen sofortbelastete Implantate direkt unter funktioneller Belastung, sofortversorgte Implantate in der Regel jedoch nicht. In beiden pip-Ausgaben war erkennbar, dass Protokolle, die nicht die konventionelle Implantatinsertion im ausgeheilten Alveolarknochen, die geschlossene Einheilung und implantatprothetische Versorgung nach abgeschlossener Osseointegration des Implantats anwenden, ebenso gute Behandlungserfolge und vergleichbare Ergebnisse bei den hauptsächlichen Outcome-Parametern Implantatüberlebensraten, krestale Knochenverluste und Weichgewebsästhetik erzielten. Allerdings waren diese Erkenntnisse stets gepaart mit dem Hinweis auf fehlende Langzeitdaten und eine eingeschränkte wissenschaftliche Evidenz. Damals wie jetzt wurden die Konsensus-Statements des International Team for Implantology (ITI) als Orientierung für die Implantations-, Belastungs- und Versorgungszeitpunkte und ihrer Kombinationen verwendet.

Zwei systematische Reviews des ITI untersuchten die Sofortimplantation und Sofortbelastung im Oberkiefer-Frontzahnbereich. Die Ergebnisse zeigten, dass die sogenannte „1A-Versorgung“ (Sofortimplantation/-belastung/-versorgung) zu hohen Implantatüberlebensraten und guten ästhetischen Ergebnissen führt [Wittneben, et al., 2023]. Es ist aber eine strikte Patientenauswahl und Indikationsstellung für den Behandlungserfolg erforderlich [Hamilton, et al., 2023].

Eine andere Übersichtsarbeit zeigte, dass nach einem und zwei Jahren weder zwischen den Insertions- noch zwischen den Belastungsprotokollen Unterschiede im ästhetischen Outcome im Weichgewebe zu beobachten waren [Francisco, et al., 2021]. Bei der „1A-Versorgung“ wurde die Weichgewebsästhetik durch die Patienten jedoch signifikant besser eingestuft als nach einer Sofortimplantation mit verzögerter Belastung [Qian, et al., 2025]. In weiteren systematischen Reviews konnten keine Unterschiede in den Implantatüberlebensraten [Cao, et al., 2021, Qin, et al., 2023, Ribeiro, et al., 2024], dem Weichgewebserhalt [Gaddale, et al., 2025, Godani, et al., 2025] und dem krestalen Knochenniveau [Gaddale, et al., 2025, Godani, et al., 2025, Qin, et al., 2023] zwischen einer Sofortbelastung im Vergleich zu einer verzögerten Belastung nach Sofortimplantation beobachtet werden.

Eine provisorische Sofortversorgung führte ihrerseits bei Sofortimplantation im Vergleich zu einer späteren provisorischen Versorgung jedoch zu signifikant geringeren Weichgewebsverlusten, wohingegen sie keinen Einfluss auf die Implantatüberlebensraten, den Höhenverlust der Interdentalpapillen, die krestalen Knochenverluste sowie die Sondierungstiefen und Blutungsindizes hatte [Pitman, et al., 2022]. Allerdings wurden in einem anderen systematischen Review implantatbezogene Komplikationen bei einer Sofortimplantation/Sofortversorgung häufiger beobachtet als bei einer Sofortimplantation/verzögerten Belastung [Gaddale, et al., 2025]. Auf die Implantaterfolgs- und Überlebensraten hatte die Art der Versorgung in dieser Untersuchung jedoch keinen Einfluss.

Ein weiterer systematischer Review berichtete über signifikant bessere Ergebnisse bei den PROMs, obwohl es keine signifikanten Unterschiede zwischen Implantaten mit und ohne provisorische Sofortversorgung hinsichtlich der Parameter Rezessionsrisiko und krestaler Knochenverlust gab [Godani, et al., 2025]. In Bezug auf die Fragestellung, wie sich eine sofortige funktionelle Belastung nach Implantatinsertion auf die krestalen Knochenverluste und die Komplikationsraten auswirkt, konnten auch in einem weiteren Review keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden [Kourkoutis, et al., 2025].

Auch bei Kurzen Implantaten scheint es zwischen einer Sofort- und Frühbelastung in Bezug auf die mittleren krestalen Knochenverluste und Implantatüberlebensraten keine Unterschiede zu geben. Allerdings untersuchten die betreffenden Studien Implantate von ≤ 6,0 mm [Kulkarni, et al., 2021] und < 10,0 mm [Wu, et al., 2021]. Daher könnte ein ungünstiges Kronen-/Implantat-Längenverhältnis in der Studie von Kulkarni, et al. mit einem höheren mittleren Knochenverlust assoziiert gewesen sein.

Bei durchmesserreduzierten (NDI; ≤ 3,5 mm) Implantaten führte eine Sofortbelastung zu Implantatüberlebensraten, die mit denen bei Früh- bzw. verzögerter Belastung vergleichbar sind. Die kurzfristigen biologischen und prothetischen Ergebnisse scheinen sich ebenfalls nicht zwischen den Belastungsstrategien zu unterscheiden. Es wurden jedoch erhöhte Risiken für langfristige biologische Komplikationen beobachtet [Pachiou, et al., 2026]. Auch in einer weiteren Übersichtsarbeit wurde die Sofortbelastung von NDI als eine vielversprechende kurzfristige Option zur Befestigung von Unterkiefer-Deckprothesen bezeichnet [Moftah und Al-Saadi, 2026]. Auch hier scheint sich eine Sofortbelastung gegenüber einer konventionellen Belastung von NDI nicht auf die krestalen Knochenverluste und die Überlebensraten auszuwirken [Liu, et al., 2021].

In Bezug auf die Auswirkungen unterschiedlicher Attachment-Systeme zeigten Stegverbindungen unter Sofortbelastung häufiger krestale Knochenverluste, während Kugelkopf-Attachments unter verzögerter Belastung am häufigsten erhöhte Sondierungstiefen aufwiesen. Dennoch hatte die Art der implantatprothetischen Verbindung keinen signifikanten Einfluss auf die Überlebensraten und den krestalen Knochen [Aldhohrah, et al., 2022].

Der Einsatz individueller Abutments scheint zu einem größeren Knochenvolumen, einem geringeren Rezessionsrisiko und einem besseren Erhalt des mittleren krestalen Knochenlevels zu führen [Lenz, et al., 2023]. Einfache Titan-Abutments zeigten in einem anderen systematischen Review im Vergleich zu Multi-Unit-Abutments zwar gleiche Implantatüberlebensraten, hatten aber weniger mechanische Komplikationen und führten tendenziell zu einer besseren Patientenzufriedenheit [Salehivaziri, et al., 2026].

Die vorliegenden Ergebnisse sind vielversprechend, es bestehen jedoch noch immer Wissenslücken [Phrai-In, et al., 2026], heterogene Versorgungsprotokolle [D'Albis, et al., 2025] und es werden noch weitere hochwertige Studien erforderlich sein [Ye, et al., 2022].

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