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Mit Regenfast zünden wir die nächste Stufe

Prof. Dr. Dr. Andres Stricker im Interview: Wie sich Regenfast im klinischen Alltag bewährt – und warum seine Split-Mouth-Studie über 30 % mehr Knochenneubildung zeigt.

pip Redaktion Berlin4 Min. Lesezeit
Porträtfoto von Prof. Dr. Dr. Andres Stricker, lächelnd, in dunklem Sakko und weißem Hemd, vor hellem Hintergrund.

Ab dem 14. September läuft die große Bioregenerations-Kampagne von Geistlich Deutschland. pip wollte ergänzend dazu von Prof. Dr. Dr. Andres Stricker wissen, wie sich Regenfast bisher im klinischen Alltag bewährt hat. Wo liegen die Stärken, und welche Vorteile ergeben sich für die regenerative Zahnmedizin?

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Regenfast in der klinischen Anwendung gemacht, und hat sich Ihre Vorgehensweise durch den Einsatz verändert?

Ehrlich gesagt sind wir mit der Testung neuer Biomaterialien inzwischen sehr zurückhaltend, denn wir mussten bei einigen vollmundig angekündigten Innovationen in der Vergangenheit langfristig auch einige negative Effekte beobachten.

Regenfast erschien mir seit langem wieder ein interessanter Ansatz, allein weil die positive Wirkungsweise der Hyaluronsäure auf das orale Weichgewebe klinisch und wissenschaftlich gut dokumentiert ist. Diese nun in der Kombination mit Polynukleotiden anzuwenden, ist ein interessantes Konzept.

Allerdings wollten wir nicht nur empirisch beobachten, ob sich damit stabilere Regenerate ergeben – beobachten können Sie ja in erster Linie die Festigkeit und die Volumenstabilität – sondern das Material im direkten Vergleich randomisiert, doppelt verblindet und prospektiv untersuchen.

Somit haben wir im Split-Mouth-Verfahren die eine Seite mit Bio-Oss und Kochsalzlösung, die andere mit Bio-Oss plus Regenfast versorgt.

Vor dem Re-Entry wussten wir nicht, welche Seite mit welcher Methode behandelt wurde, aber nach dem Aufklappen wurde es immer wieder offenkundig: Mit Regenfast zeigte sich das Augmentat signifikant konsolidierter, strukturierter und homogener, also qualitativ deutlich verbessert durchbaut. Quantitativ konnten wir durch Biopsien über 30% mehr Knochenneubildung im Verhältnis zum Biomaterial nachweisen. Wir können somit die Wartezeit bis zur Implantatversorgung deutlich verkürzen.

Wie beurteilen Sie das Handling während der Behandlung?

Das Handling ist aufgrund der pastösen Konsistenz anders als gewohnt, aber völlig problemlos. Durch die Anwendung von Regenfast wird das Bio-Oss-Augmentat zusätzlich stabilisiert. Mittlerweile appliziere ich einen minimalen Teil des Regenfasts zusätzlich auch auf die Bio-Gide-Membran und setze damit nochmal einen Regenerations-Booster direkt an der Grenzfläche zum Weichgewebe. Ich denke, dass das HA initial die Geweberegeneration schon gut unterstützt. In Kombination mit den Polynukleotiden wird dann die nächste regenerative Stufe gezündet, scheinbar über Stimulation des Adenosin A2A Rezeptors, so dass die zusätzliche Regenerationskapazität von innen heraus aktiviert wird.

Welche Reaktionen beobachten Sie bei Ihren Patientinnen und Patienten?

Unsere Patienten spüren die positiven Effekte durch verkürzte Gesamtbehandlungszeiten, ihr Feedback ist entsprechend glücklich und zufrieden. Wir sehen hier auch eine gute Alternative zum im Vergleich dann doch eher aufwändigen Einsatz von PRF, PRGF oder PRP – und auch wissenschaftlich eine ganz andere Basis. Der Grund, warum ich immer noch gerne die wissenschaftliche Studien an der Uniklinik Freiburg parallel zur Praxistätigkeit durchführe, liegt ja eben darin, dass wir ergebnisoffen vergleichen und nachweisen wollen. Dafür braucht man zwingend eine Studien-und eine Kontrollgruppe. Natürlich entsteht Evidenz auch über die Menge von Beobachtungsstudien, aber wesentlich präziser ist immer der direkte Vergleich.

Bei welchen Indikationen sehen Sie den größten Mehrwert aus jener Kombination aus Hyaluronsäure, Polynukleotiden und Mannitol, und warum?

Sie müssen immer als allererstes überlegen: Was will ich mit einem Augmentationsmaterial? Aus der Indikation ergibt sich, ob Sie eine schnellere Resorption oder eine höhere Stabilität wollen. Uns erschien die geringe Resorption und damit einhergehende langfristige Volumenstabilität von Bio-Oss schon immer sehr vorteilhaft. In der Kombination mit Regenfast gewinnen wir nun diesen zusätzlichen Regenerationsbooster, schaffen ein optimales Milieu für Weich-und Hartgewebe und gewinnen schlussendlich in deutlich kürzerer Zeit dichten, mineralisierten neuen Knochen bei stabilen Langzeitzeitverhältnissen.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen, oder wo braucht es noch mehr Evidenz?

Ich denke, dass sich uns mit der Kombination aus Bio-Oss und Regenfast noch eine ganze Reihe weiterer Indikationen erschließen werden. Die große Stärke wird sich vor allem bei komplexen Augmentationen zeigen, insbesondere bei vertikalen Aufbauten, bei denen das Management der Spannungen im Weichgebwebe immer kritisch zu betrachten ist. Hinsichtlich der Evidenz müssen wir möglichst objektiv die Ergebnisse unterschiedlicher Indikationen betrachten. Grundsätzlich müssen wir noch mehr auf die zelluläre Ebene gehen, um die einzelnen Signalkaskaden und die Kommunikation der Zellen richtig gut zu identifizieren. Also weiter in Richtung einer noch effizienteren und individualisierten Medizin und Zahnmedizin.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und dieses Gespräch

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