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Regeneration braucht Evidenz und Präzision

Welche Rolle spielen biologische Behandlungskonzepte, klinische Erfahrung und fundierte Knochenersatzmaterialien im chirurgischen Praxisalltag?

pip Redaktion Berlin3 Min. Lesezeit
Porträt von Dr. Jens Fleßner mit Zitat „Klinische Performance und wissenschaftliche Evidenz sind für mich untrennbar verbunden."

Interview mit Dr. med. dent. Jens Fleßner, Oralchirurg

Welche Bedeutung hat die GBR in Ihrem Praxisalltag?

Die GBR ist aus meinem Praxisalltag kaum wegzudenken. Bei vielen implantologischen Patienten ist eine Augmentation erforderlich, um stabile funktionelle und ästhetische Ergebnisse zu erzielen. Gerade an der Schnittstelle von Parodontologie und Implantologie sehen wir häufig Defekte, die ohne regenerative Maßnahmen nicht ausreichend versorgt werden könnten. Ich verstehe die GBR als Teil eines biologisch orientierten Gesamtkonzepts. Erfolgreiche Regeneration setzt eine sorgfältige Diagnostik, die Kontrolle entzündlicher Prozesse, ein stabiles Weichgewebemanagement und eine präzise chirurgische Umsetzung voraus. Ergänzend setze ich die PRGF-Methode ein. Die autologen Wachstumsfaktoren können Wundheilung und Geweberegeneration unterstützen und lassen sich bei GBR und komplexeren Augmentationen sinnvoll integrieren.

Welche Anforderungen muss ein Knochenersatzmaterial für Sie heute erfüllen?

Ein modernes Knochenersatzmaterial muss biologisch verlässlich und klinisch vorhersagbar sein. Es sollte eine stabile Matrix zur Knochenneubildung bieten, das Volumen während der Heilung erhalten und kontrolliert resorbiert werden. Ebenso wichtig sind eine gute Adaptierbarkeit, Formstabilität und die Möglichkeit zur Kombination mit autologem Knochen oder PRGF. Sicherheit und klinische Leistungsfähigkeit müssen zudem wissenschaftlich belegt sein.

Die Auswahl richtet sich nach Defektmorphologie, Behandlungskonzept und individuellen Voraussetzungen. Ein ideales Material für alle Indikationen gibt es nicht. Entscheidend ist die passende Einbettung in ein biologisch durchdachtes Konzept.

Sie verwenden in Ihrer Behandlung auch The Graft von Purgo. Was macht dieses KEM aus Ihrer Sicht klinisch besonders?

The Graft setze ich vor allem bei klassischen Indikationen der gesteuerten Knochenregeneration ein, etwa bei periimplantären Dehiszenz- und Fenestrationsdefekten, horizontalen Kieferkammaugmentationen sowie bei Socket Preservation-Konzepten. Hier ist ein Material gefragt, das das Defektvolumen zuverlässig stabilisiert und eine gute biologische Integration ermöglicht. Auch bei Sinusbodenelevationen habe ich gute Erfahrungen gemacht. Eine verlässliche Volumenstabilität und unkomplizierte Handhabung sind entscheidend, um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.

Ein weiteres Einsatzgebiet in meiner Praxis ist die Defektauffüllung nach der Enukleation großer Kieferzysten. Während solche Defekte früher häufig mit autologem Knochen aus der Spina iliaca anterior superior augmentiert wurden, kann The Graft in geeigneten Fällen eine regenerative Alternative darstellen. Der Vorteil liegt darin, dass auf die Entnahme autologen Knochens und die damit verbundene Morbidität verzichtet werden kann. The Graft spielt seine Stärken besonders bei standardisierten GBR-Indikationen und größeren knöchernen Defekten aus, bei denen Vorhersagbarkeit, Formstabilität und einfache Handhabung gefragt sind. Diese Eigenschaften machen das Material zu einem festen Bestandteil meines regenerativen Behandlungsspektrums.

Welche Rolle spielt die solide Evidenz neben der klinischen Performance für Sie?

Klinische Performance und wissenschaftliche Evidenz sind für mich untrennbar verbunden. Gute Erfahrungen aus dem Praxisalltag müssen durch belastbare Daten gestützt werden. Nur so lässt sich beurteilen, ob ein Verfahren oder Material langfristig reproduzierbare und vorhersagbare Ergebnisse ermöglicht. Gerade in der regenerativen Chirurgie haben unsere Entscheidungen großen Einfluss auf den langfristigen Therapieerfolg. Deshalb sollten Materialien durch präklinische Untersuchungen, klinische Studien und möglichst auch Langzeitdaten abgesichert sein. Angewandte evidenzbasierte Medizin bedeutet für mich, wissenschaftliche Erkenntnisse mit klinischer Erfahrung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten zu verbinden. Überzeugt ein Knochenersatzmaterial durch Evidenz und klinische Zuverlässigkeit, schafft das die Grundlage für reproduzierbare Ergebnisse und eine Therapie auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Praxis.

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