Anlässlich des Jubiläums zum 10. MKG-Update trafen sich am 1. und 2. Februar 2019 wissensdurstige MKG- und Oralchirurgen, Parodontologen und chirurgisch interessierte Zahnärzte zum neutralen und hochaktuellen Update-Seminar in Wiesbaden.
pip Redaktion Berlin8 Min. Lesezeit
Anlässlich des Jubiläums zum 10. MKG-Update trafen sich am 1. und 2. Februar 2019 wissensdurstige MKG- und Oralchirurgen, Parodontologen und chirurgisch interessierte Zahnärzte zum neutralen und hochaktuellen Update-Seminar in Wiesbaden
Die Idee zum Konzept „MKG-Update“ wurde vor gut zwanzig Jahren vom Gastroenterologen Prof. Dr. Christian Ell entwickelt und ist bis heute noch topaktuell. Unter der Schirmherrschaft der DGMKG und ihrer Akademie in Kooperation mit dem BDO, der AGKi und dem AK OPOM der DGZMK ist das Konzept eines regelmäßigen Updates zu einem fachlichen Highlight der Fortbildungsevents aufgestiegen.
Hinter den Kulissen
Das MKG-Update bietet einen fachkundigen konzentrierten Überblick über die teils in unüberschaubaren Mengen produzierten Fachartikel in unzähligen Fachjournalen und bewertet die relevanten Publikationen für die Anwendung in Klinik und Praxis – schlussendlich bekommt der Zuhörer eine Take-Home-Message. „Wie so oft sind es die einfachen Ideen, die erfolgreich sind und sich durchsetzen“, schreiben die Initiatoren bescheiden auf ihrer Webseite. Wer jedoch einmal beim MKG-Update war, weiß, dass diese Essenz aus neuesten Studienergebnissen der relevantesten internationalen Fachzeitschriften in etlichen Stunden von vielen Personen geplant, organisiert, strukturiert und von den Fachleuten recherchiert sowie dokumentiert werden muss.
Umfangreiche aktuelle Nachschlagewerke
Jeder Seminarteilnehmer erhält vor Ort das jeweilige Update-Handbuch oder -eBook mit allen Manuskripten der Referenten sowie die Vortragspräsentationen im Nachgang. Die Referenten – allesamt erfahrene hochangesehene Fachleute in ihrem Gebiet – zu hören, in persönlicher Atmosphäre beim Speakers Corner zu befragen und die Essenz als fachliches Standardwerk mitzunehmen, das ist persönlich und beruflich bereichernd. Alle essenziellen Themen eines Fachgebietes werden in 45- bis 60-minütigen Teilseminaren behandelt. Neben den klassischen Fachgebieten wie DVT-Bildgebung, Implantologie, Parodontologie, kompromittierte Patienten und orale Medizin werden im Jahr 2019 als „Hot Topic“ ganz neu auch Schlafmedizin, Ästhetik, chirurgische Aspekte der CMD, Bruxismus, vaskuläre Anomalien, Weisheitszähne und Kieferhöhle sowie Nasennebenhöhlen betrachtet.
DGMKG = Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
AGKi = Arbeitsgemeinschaft Kieferorthopädie
DGMK = Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
AK OPOM = Interdisziplinärer Arbeitskreis Oralpathologie und Oralmedizin
BDO = Berufsverband deutscher Oralchirurgen
Einblicke in das Symposium
Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz begrüßt die rund 390 Teilnehmer der Jubiläumsveranstaltung „MKG Update“ herzlich.
Prof. Dr. Dr. S. Haßfeld eröffnet den Vortragsvormittag mit einem Überblick über die DVT-Bildgebung und 3D-Planung: „Beschäftigen Sie sich mit der Dosisreduktion!“
DVT in der Endodontie „Wir sehen mehr. Aber es ist unklar, inwieweit die Befunde pathologisch sind. Es besteht lediglich ab und zu ein Potential verborgener Entzündungen.“
Prof. Dr. Daniel Baumhoer, Facharzt für Pathologie, appelliert an die Kollegen aus Medizin und Zahnmedizin, Überweisungen um ihre klinischen Befunde zu erweitern: „Informieren Sie Ihren Pathologen; ‚Ausschluss von Malignität‘ liefert wenig Hinweise auf die Symptomatik!“.
Die neue Klassifikation wirft Fragen auf, ob eine adjuvante Radiotherapie bei einem N0 notwendig ist. Studien fehlen, sodass in den interdisziplinären Tumorsprechstunden zu dieser Fragestellung viel diskutiert wird.
Prof. Reichert präsentiert die berühmte Extreme-Studie, die als Standard bei First-Line gilt.
Die Immuntherapie mittels Checkpoint-Inhibitoren ist das Thema des letzten Nobelpreises der Medizin, erläutert Prof. Reichert.
Die perio-radiotherapeutische Betreuung ist notwendig, um das Risiko einer infizierten IORN zu vermindern, betont Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz zum Thema „kompromittierte Patienten“.
Die Patienten-Risikokollektive sind in der im Dezember 2018 neu publizierten Leitlinie zu AR-assoziierten ONJ gleich geblieben.
Im Rahmen der Berichterstattung wird den Teilnehmern eine Auflistung der Medikamente mit relevantem Xerostomie-Risiko nach der Studie von Wolff et al. aus dem Jahr 2017 für eine Recherche zur Verfügung stehen.
„Dringend notwendig wären einheitliche Protokolle für eine Untersuchung“, fordert Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz zu Studien zur Beurteilung des posterioren Atemwegs bei der Schlafmedizin.
Die Hypoglossusnerv-Stimulation stellt bei der OSA einen völlig neuen Ansatz dar. Sie ist bei einem BMI von mehr als 35 und bei Jugendlichen sowie älteren Patienten anwendbar.
Neutralität
Die wissenschaftliche Leitung des MKG-Updates – Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Prof. Dr. Andrea M. Schmidt-Westhausen sowie Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld –, ihre Kollegen und Unterstützer legen besonderen Wert auf Neutralität. Die produktneutrale Darstellung der Themen und die Aktualität der Inhalte zu den Kernthemen unterscheiden sich von den üblichen „State-of-the-Art-Vorträgen“ und werden jährlich aktualisiert.
Dr. Dr. Wolfgang Funk referiert über die Faktoren, die für eine gelungene operative oder nicht-operative Blepharoplastik relevant sind.
Ethnische, soziale und genderspezifische Faktoren müssen bei der Blepharoplastik beachtet werden, erinnert Dr. Dr. Funk.
Dr. Dr. Wolfgang Funks Ausflug in die plastische Chirurgie erfreut sich großer Aufmerksamkeit – trotz filmischer Darstellung der operativen Eingriffe.
„Es stellt sich die Frage, wie diagnostiziere ich Bruxismus,“ beginnt Prof. Dr. Dr. Andreas Neff, Marburg, seinen Vortrag.
Die Schiene ist hilfreich bei symptomatischem Bruxismus, jedoch verlieren adjustierte Michigan-Schienen bei dauerhaftem Tragen ihre Funktion bei der Muskelentspannung.
„Schlafbruxismus, da kann man nicht wirklich etwas tun. Es ist Zeit umzudenken“, eröffnet Prof. Neff anhand von Statements aus der bisher nicht veröffentlichten Leitlinie zu Bruxismus.
Die Aktualisierung der Leitlinie zur operativen Entfernung von Weisheitszähnen sei in Arbeit. Dort soll der Begriff der prophylaktischen Entfernung eines Weisheitszahnes in der Bezeichnung verändert werden.
„Chlorhexidindiglukonat prophylaktisch vor der Weisheitszahnentfernung zu geben, ist inzwischen u. a. wegen des Allergierisikos umstritten“, diskutiert Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas zum Einsatz von CHX.
Im letzten Vortrag des ersten Tages stellt Prof. Dr. Torsten E. Remmerbach aus Leipzig „Weisheitszähne“ in den Fokus und erhält damit die ungebrochene Aufmerksamkeit des Publikums.
Die Einnahme von Serotonin Reuptake-Hemmern bei der Implantation hat keine statistisch signifikanten Effekte auf die Osseointegration, resümiert Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas am Morgen des zweiten Tages des MKG-Updates.
„Es gibt keine Tests für eine messbare Titanunverträglichkeit“, zitiert Prof. Al-Nawas aus Prof. Dr. Andrea Mombellis Vortrag von der DGI 2018.
Das Thema kurze versus normale Implantate mit Augmentation wird wegen der technischen Komplikationen diskutiert. Wichtig sei die Aufklärung über alle Alternativen.
Einteilige Keramikimplantate sind einsatzreif!
„Der autologe Knochenblock ist in mehrfacher Sicht den anderen Augmentationsmethoden – wie etwa dem partikulären Material – überlegen“, beginnt Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden.
Trotz aller Möglichkeiten sollte man immer daran denken, dass jede Augmentation eine Belastung ist“, erinnert Prof. Terheyden. „Folgen eines mehrzeitigen Verfahrens sind abzuwägen.“
Etliche Fragen werden zum Themenblock „Augmentationen“ gestellt und beantwortet.
„Die Zugabe von Scraperknochen zum Knochenersatzmaterial hat mehr Wunddehiszenzen zur Folge. Vielleicht sollte man ihn daher beim Sinuslift besser weglassen?“, kommentiert Prof. Terheyden diese Studie.
Die Defektalveole ist der perfekte Einsatzort für die Ridge Preservation.
Nach Schilderung der Besonderheiten der älteren Patienten fasst Prof. Dr. Jürgen Becker zusammen, dass das Lebensalter grundsätzlich keine Nachteile für Implantatüberlebensraten hat. Es gilt aber, die individuelle Anamnese und Prognose zu beachten und dementsprechend aufzuklären.
Prof. Dr. Jürgen Becker ist derzeit Sachverständiger in einem Prozess, in dem ein Patient den Hersteller wegen einer Implantatfraktur verklagt. „Überlegen Sie sich immer, ob man bei Implantatkomplikationen ggfs. einen Fall nach MP-Sicherheitsplanverordnung melden sollte“, rät er.
Wenn Patienten an Implantaten eine Mukositis bekommen, dauert eine Therapie länger als üblich, mindestens drei Wochen.
Prof. Dr. Hans Behrboom aus Berlin, Facharzt für HNO, führt zunächst mit der Geschichte der Kieferhöhle und Herrn Emil Zuckerkandl ein.
Nicht jedes verbogene Septum muss operiert werden, erinnert Prof. Behrboom.
Dr. Steffi Semmler, Fachärztin für HNO, unterstützt Prof. Behrboom als Co-Referentin.
Auch samstags wird in den großzügigen Räumen des Dorint Hotels mittags zwischen den anwesenden Fachdisziplinen weiter diskutiert.
Kurz vor Ende des ersten Vortragsblocks wird Prof. Becker von Prof. Grötz im Namen der wissenschaftlichen Leitung des MKG Update für seinen jahrelangen Input im Bereich der Periimplantitis geehrt.
Patienten mit vaskulären Anomalien werden häufig fehldiagnostiziert, eröffnet Prof. Dr. Dr. Jürgen Hoffmann.
Makrozystische lymphatische Malformationen sollten früh behandelt werden.
Gesellschaftliche Verantwortung
Anlässlich der Jubiläumsfeier werden auch 2019 die Aktivitäten und Ziele der Mercy Ships Deutschland e. V. präsentiert. Die med update GmbH stellt sich der gesellschaftlichen Verantwortung und unterstützt über förderungswürdige gemeinnützige Organisationen hilfsbedürftige Menschen im Ausland. Arbeitsschwerpunkte der Mercy Ships sind Operationen von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen des Gesichts und der vorderen Schädelbasis, großen Tumoren der Knochen und Weichteile des Gesichts und deren Rekonstruktion, rekonstruktive Eingriffe, Korrekturen von Spätfolgen nach Schädelverletzungen und die plastische Wiederherstellung nach Verbrennungen von Gesicht und Hals. Gleichzeitig versucht Mercy Ships die einheimische Gesundheitsfürsorge durch Schulung geeigneter Ärzte oder Zahnärzte und deren Unterstützung bei ihrer täglichen Arbeit vor Ort zu etablieren.
Prof. Dr. Dr. Jürgen Hoffmann präsentiert die Aufgabenstellung und die Ziele der Mercy Ships. Diese können zukünftig auch durch das neue, hier abgebildete Global Mercy Ship – u. a. mit einen OPs an Bord – umgesetzt werden.
Prof. Dr. Anton Sculean übernimmt den letzten Vortragsteil des diesjährigen MKG Update. Sein Thema: „Parodontologie – Diagnostik und Therapie“
Prof. Sculean fasst das Fazit zur neuen Klassifizierung für die Teilnehmer zusammen.
Wie machen wir es am Montag? Die Diskussion zu Antibiotika bei der PA-Therapie ist heiss.
egen Ende der Veranstaltung bedankt sich Prof. Grötz bei den Teilnehmern, den Mitarbeitern von med. Update und der Technik für den reibungslosen Ablauf des Kongresses und kündigt das nächste MKG Update am 24.-25. Januar 2020 an.