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Bicon: Kurze Implantate mit einer langen Geschichte

Schon 1985 wurde das Bicon System entwickelt, um auch Patienten mit verringertem Knochenangebot zuverlässig und ohne aufwendige Augmentationen zu versorgen. 2025 feierten die „Shorties“ ihr erfolgreiches 40-jähriges Jubiläum und entsprechen heute umso mehr der Forderung nach minimalinvasiven, patienten-freundlichen Protokollen.

pip Redaktion Berlin3 Min. Lesezeit
Bicon

Schon 1985 wurde das Bicon System entwickelt, um auch Patienten mit verringertem Knochenangebot zuverlässig und ohne aufwendige Augmentationen zu versorgen. 2025 feierten die „Shorties“ ihr erfolgreiches 40-jähriges Jubiläum und entsprechen heute umso mehr der Forderung nach minimalinvasiven, patienten-freundlichen Protokollen. Interview mit Dr. med. dent. George Touma, Oralchirurg, Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie

Mit Ihrer Facharztausbildung Oralchirurgie kann man Ihnen kaum unterstellen, Angst vor Augmentationen zu haben …

George Touma: Als medizin-ethisch denkender Arzt oder gewissenhafter Oralchirurg sollte man sich weniger fragen, was man selber wünscht und kann, sondern was in erster Linie die Patientin und der Patient will und braucht. Die Tage, in denen sich Chirurgen in immer komplexeren Techniken gefielen, sind in der Praxis vorbei. Parameter heute sind viel mehr die patientenorientierten Ergebnisse, und die orientieren sich meist am Endresultat und an einem möglichst wenig invasiven, schmerzfreien, zeit- und kostensparenden Weg dorthin.

Seit wann setzen Sie die Bicon Shorties und was sind Ihre Indikationen?

George Touma: Wir verwenden die Bicon Shorties seit 2020. Begonnen haben wir dabei, wie es sich immer empfiehlt, zunächst mit einfachen Fällen, um Erfahrungen mit dem System zu sammeln. Die Indikationen wurden mit zunehmender Erfahrung und Fähigkeiten schrittweise auf Bereiche mit vermehrter Kieferkammatrophie im Ober- und Unterkiefer erweitert. Wichtige Rahmenbedingungen für den Erfolg sind dabei das subkrestale Setzen des Implantats und ein adäquates Weichgewebsmanagement.

Welchen, gegebenenfalls prothetischen, Kompromiss muss ich zugunsten der chirurgischen Einfachheit eingehen?

George Touma: Grundsätzlich lassen sich fast alle prothetischen Versorgungen mit Bicon realisieren, ob vollständige Cover-Denture-Arbeiten mit Stegkonstruktionen, Locatorversorgungen, Brücken oder Einzelzahnkronen im Seitenzahnbereich. Die einzige echte Ausnahme bilden Einzelzahnkronen in der Front, da hier aufgrund der schmalen Kontaktpunkte die Gefahr einer Lockerung bestünde. Auch die ultrakurzen Implantate sind nicht völlig trivial und setzen eine solide Erfahrung bei den anatomischen Strukturen und prothetischen Parametern voraus.

Wo bestehen für Sie ungebrochen Ausschlusskriterien für diese Versorgungsform?

George Touma: Ich würde nicht von Ausschlusskriterien ausgehen, aber von einer immer wichtigen soliden Diagnostik und einer gewissen Umsicht. Bei starker Kieferkammatrophie sind kurze Implantate oft mit einem internen Sinuslift verbunden. Dies erfordert chirurgische Erfahrung, um eine Perforation der Schneider’schen Membran zu vermeiden. Die großen Implantatdurchmesser von bis zu 5 oder 6 mm bieten jedoch eine gute Übersicht. Ein interner Sinuslift wird grundsätzlich als deutlich weniger aufwendig im Vergleich zum externen Sinuslift beschrieben. Auch bei Hochrisiko-Patienten sehe ich einen wesentlichen Vorteil in der Möglichkeit, sie mit Bicon minimalinvasiv nach dem KISS-Prinzip – keep it simple and safe – zu behandeln, da auf große Augmentationen und somit große Wundflächen oft verzichtet werden kann.

Neben den bereits genannten Einzelzahnkronen in der Front bleibt für mich als Ausschlusskriterium eine Restknochenhöhe von unter 2 mm. Ab 2-3 mm ist eine Versorgung gut möglich, unter 2 mm ist ein Grenzbereich. Daneben ist die Grenze für uns auch eine extreme Kieferkammatrophie von beispielsweise nur noch 1 mm Knochenhöhe. In diesen Fällen erfolgt bei uns regelhaft eine Überweisung in eine Klinik für eine Beckenkammaugmentation. Im Unterkiefer sehen wir die Grenze bei einer Kammbreite von unter 5 mm und einer Höhe von unter 6 mm.

Mit die wichtigste Frage: Wie wird die Versorgung mit den Kurzen seitens Ihrer Patientinnen und Patienten aufgenommen?

George Touma: Das Feedback der Patienten können wir als durchgehend positiv beschreiben. Sie sind oft überrascht, dass wir auch bei einem stark reduzierten Knochenangebot auf ausgedehnte augmentative Maßnahmen verzichten können, wodurch die Eingriffe deutlich schonender, risikoärmer und damit kosteneffizienter werden. Die Implantate lassen sich stabil inserieren und ermöglichen vorhersagbare Ergebnisse, verkürzte Behandlungszeiten sowie eine zuverlässige, langfristig funktionelle Versorgung.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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