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Fachtage Implantologie: Bereits seit 30 Jahren begeistert Dentaurum die implantologische Community nicht nur mit der Erforschung und Entwicklung ausgezeichneter Implantatsysteme

pip Redaktion Berlin5 Min. Lesezeit
Fachtage Implantologie

Fachtage Implantologie: Bereits seit 30 Jahren begeistert Dentaurum die implantologische Community nicht nur mit der Erforschung und Entwicklung ausgezeichneter Implantatsysteme, sondern vor allem auch mit einem umfangreichen und kontinuierlichen Fortbildungsangebot. Die „Fachtage Implantologie“ haben bei vielen chirurgisch und implantologisch tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzten einen festen Platz im Kalender. Interview mit Prof. Dr. Lars Bräuer, Leiter Prosektur und Körperspendewesen, Universität Erlangen-Nürnberg

Warum wählt man in Zeiten digitaler Workflows und KI-gestützter Prozesse noch ein Anatomie-Institut als Veranstaltungsort für die „Fachtage Implantologie“?

Lars Bräuer: Den digitalen Prozess oder auch die KI-Installation, die es schafft, die Inhalte eines Anatomie-Kurses abzubilden, dürfen Sie mir gern zeigen. Nach wie vor gilt die Anatomie als Königsdisziplin, in der Medizin ebenso wie in der Zahnmedizin, und ist noch heute für viele Studentinnen und Studenten die prägendste Erfahrung der ganzen Ausbildung. Auch im besten Anatomiebuch sind die Strukturen anhand einer Idealvorstellung oder nach der Vorlage eines einzelnen Körperspenders abgebildet, in der Realität finden wir aber sehr viele Variationen. Allein der Verlauf des Nervus alveolaris inferior ist nur bei 60% der Fälle wie einst im Lehrbuch abgebildet und beschrieben. Oder, anderes Beispiel, bei 25% der Menschen findet sich hinter dem „Achter“ noch ein Foramen retromolare durch das Gefäße oder sogar Nerven ziehen. Anatomie zu begreifen hat, im Wortsinne, mit greifen, also mit anfassen zu tun. Natürlich bedienen wir uns für die Vermittlung unserer Inhalte auch digitaler und KI-gestützter Techniken, aber die Präsenz und die Arbeit am Präparat können sie nicht ersetzen. Wir machen sowohl hier am Institut als auch in Kooperation mit der Anatomischen Anstalt der LMU München mit Prof. Jens Waschke viele zahnmedizinische Fortbildungen. Neben der Vermittlung der anatomischen Strukturen ist ein bedeutender Aspekt von Präsenzveranstaltungen natürlich aber auch der Meinungsaustausch und das ‚Netzwerken‘, sowohl zwischen den Teilnehmern und den Referenten als auch den Teilnehmern unter sich.

Persönlich ist mir daneben schon oft aufgefallen, dass sich die Leute bei Online-Veranstaltungen extrem leicht ablenken lassen. Es spricht also sehr vieles dafür, sich für eine Fortbildung vom Sofa zu erheben.

Welche Themen werden an der Fachtagung behandelt?

Lars Bräuer: Die Fachtagung Implantologie unter der Leitung von Dr. Friedemann Peschelt aus dem benachbarten Lauf bietet eine ganze Bandbreite von in der heutigen Praxis relevanten Themen, von der Aligner-Therapie, für die Prof. Dr. Sigmar Schnutenhaus die Schnittstellen zur Implantologie vorstellen wird, über eine kombinierte Konus-und Plattform-Implantatverbindung und deren variable prothetische Möglichkeiten, die Prof. Dr. Friedhelm Heinemann präsentiert, bis zum Einsatz von Mini-Implantaten, auch für die Versorgung zahnloser Unterkiefer, durch Prof. Dr. Norbert Enkling. Dr. Marcus Seiler vergleicht analoge und digital gestützte augmentative Maßnahmen, und die Gebrüder Dres Johannes und Andreas Petschelt widmen sich dem viel diskutierten Thema der Biologisierung in der Implantologie und vergleichen den Einsatz von PRGF mit Hyaluronsäure.

Ihr eigener Abschlussvortrag hat den kessen Titel „Der belogene Patient“ – worum geht es Ihnen da?

Lars Bräuer: Privat bin ich ein großer Fan von Science und Fiction, beruflich und wissenschaftlich spielt allerdings Empirik und Evidenz die entscheidende Rolle – Glaube und Meinung ist dabei eher hinderlich. In dem Buch, das ich gemeinsam mit Falk Stirkat geschrieben habe, geht es vor allem um Methoden und medizinische Mythen, die sich trotz langjähriger und solider wissenschaftlicher Entzauberung weiter wacker halten. Das beginnt beim Einsatz von Paracetamol, das wirklich erwiesenermaßen bei z. B. Zahnschmerzen nichts ausrichtet, gleichzeitig aber eine hohe und akute Toxizität besitzt, über die Verschreibungspraxis völlig unnötiger, da vielfach für die Indikation völlig unwirksamer Antibiotika, bis hin zur kritischen Beleuchtung von Homöopathika oder dem bestenfalls optisch wirksamen, weil immerhin schön bunten, Tapen verkrampfter Muskeln. Mit dem wissenschaftlichen Kenntnisstand beim Entstehen des Buches haben wir so eine ganze Reihe Praktiken schonungslos beleuchtet. Ein Kapitel, ‚Eminenzbasierte Medizin‘, ruft sicher auch bei Ihren Leserinnen und Lesern gleich die richtigen Assoziationen auf.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Dentaurum bei solchen Fortbildungsprojekten wie die „Fachtage Implantologie“?

Lars Bräuer: Wir arbeiten in der Anatomie mit einer ganzen Reihe zahnmedizinischer Hersteller, Stiftungen, Foundations und Fortbildungsinstituten sehr gut zusammen, aber mit einigen, so auch mit Dentaurum, verbindet uns nicht nur eine wirklich langjährige Zusammenarbeit, sondern mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis. Das macht das Miteinander und die Organisation von gemeinsamen Veranstaltungen natürlich sehr unkompliziert, angenehm und gleichzeitig sehr bereichernd – die Kolleginnen und Kollegen von Dentaurum sind einfach eine sehr sympathische Truppe.

Noch eine nicht-fachliche Frage – wir haben vernommen, Sie brennen Ihren eigenen Gin?

Lars Bräuer: So unfachlich ist das gar nicht, wenn Sie sich klarmachen, dass der Gin in gewisser Hinsicht anatomische Wurzeln besitzt. Bei der anatomischen Untersuchung an Leichen zerbrachen sich Größen wie Leonardo da Vinci oder Andreas Vesalius aus naheliegenden Gründen schon recht bald den Kopf über Methoden der Konservierung, und fanden die Lösung in getrockneten Kräutern, Zitruspflanzen und Gewürzen wie Senf, Lorbeer oder Lavendel. Allesamt, was man heute als ´Botanicals´, also die Grundlage von Gin-Tinkturen, bezeichnen würde. Als wir uns die alten Rezepturen von da Vinci anschauten, lag die, im reinsten Sinne, Schnapsidee daher einfach nahe. Und so heißt unser Gin entsprechend auch ´Tinctura Anatomica´. Wobei wir das Ganze nicht im industriellen Stil oder aus kaufmännischem Interesse heraus betreiben, es ist mehr ein nettes Hobby, mit von Künstlern handgezeichneten Labels, Ausstellungen wie ´Gin meets Art´und einer limitierten und in liebevoller Handarbeit vorgenommenen Herstellung hier in der Nähe von Coburg. Wir freuen uns riesig, wenn wir dann mal so etwas erleben wie die wiederholte Prämierung als ´Best of its Class´. Schauen Sie also gern mal auf unserer Homepage vorbei – und wir sehen uns an den Fachtagen von Dentaurum in Erlangen.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

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