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Geistlich Biomaterials: Von der Villa Kunterbunt zum Lebenswerk

Es begann 1996 in dem als „Villa Kunterbunt“ bezeichneten kleinen Büro und als reine Marketing- und Vertriebseinheit der Schweizer Geistlich Biomaterials.

pip Redaktion Berlin4 Min. Lesezeit
Geistlich Biomaterials

Geistlich Biomaterials: Es begann 1996 in dem als „Villa Kunterbunt“ bezeichneten kleinen Büro und als reine Marketing- und Vertriebseinheit der Schweizer Geistlich Biomaterials. Nach 28 Jahren wird nun im kommenden Jahr in Baden-Baden ein lichtdurchfluteter Neubau eröffnet – gleichzeitig verabschiedet sich Dr. Thomas Braun von etwas, das man zu Recht als „Lebenswerk“ bezeichnen kann. Interview mit Dr. rer. nat. Thomas Braun, Geschäftsführer Geistlich Biomaterials Vertriebsgesellschaft mbH

Eine Karriere als Manager und Geschäftsführer hatten Sie ja mit dem Studium der Biologie nicht sofort eingeschlagen?

Thomas Braun: Tatsächlich lag meine Leidenschaft zunächst in der Wissenschaft, mich faszinierte besonders die Molekularbiologie. Danach durfte ich in international führenden Pharmaunternehmen eine enorm bereichernde Zeit mit lauter unterschiedlichen Stationen und sehr inspirierenden Lehrmeistern durchlaufen. Geistlich Pharma stand mit den Biomaterialen für die Geweberegeneration damals noch sehr am Anfang. Ich traf dort auf tolle Leute, Ideen, Konzepte und Visionen – das hat mich sofort begeistert. Daneben kann es bei einem so komplexen Bereich wie der Bioregeneration grundsätzlich nicht schaden, wenn man bei einer biochemischen Formel keinen glasigen Blick bekommt.

Über ein Vierteljahrhundert Treue zum selben Unternehmen ist sehr ungewöhnlich – sind Sie unflexibel?

Thomas Braun: Als größter Job-Hopper werde ich sicher nicht mehr in die Geschichte eingehen, aber Geistlich Biomaterials von heute hat nichts mehr zu tun mit dem Unternehmen aus den 1990er-Jahren. Die meisten Menschen wechseln Positionen, wenn die bestehende Aufgabe ihnen keine Perspektiven mehr bietet. Durch die so dynamische Weiterentwicklung bei Geistlich blieb und bleibt es aber immer spannend – das sehen Sie nicht zuletzt an den aktuellen Entwicklungen, dem ‚New Bone Faster‘-Konzept, dem Pocket-X für die Parodontologie oder auch Weiterentwicklungen wie der Mucograft extraoral. Auch für die nahe Zukunft ist bereits einiges im Köcher bzw. am Köcheln.

Die Frage darf bei einer solchen Zeitspanne sein: Was waren für Sie die Meilensteine in der Knochen- und Weichgewebsregeneration, sowohl in der Wissenschaft als auch bei den Protokollen und Ihren Produkten?

Thomas Braun: Ganz klar, wir haben mit unseren Materialien maßgeblich dazu beigetragen, dass Chirurgen und implantologisch tätige Zahnärzte Implantate heute genau dort setzen können, wo sie prothetisch, funktional und ästhetisch hingehören. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass die heutige Verbreitung der dentalen Implantologie damit überhaupt erst möglich wurde. Das betrifft das innovative Konzept der Sofortimplantation, das mit dem ‚fill the gap‘-Protokoll vorhersagbare ästhetische Ergebnisse liefert. Auch die Socket und Ridge Preservation haben wir dank unserer Materialien und Protokolle neu definieren können. Viele Konzepte, die mit autologem Knochen nicht möglich waren, konnten wiederentdeckt werden und haben Erfolgsraten von 96 %.

Heute geht es in der Klinik vor allem um Zeit- und Effizienzgewinn, aber ohne Qualitätskompromisse – und auch hier bieten wir Lösungen wie Regenfast, mit dem sich durch eine beschleunigte Regeneration bei gleichzeitiger Verbesserung der Knochenqualität die Zeit bis zum Reentry deutlich reduzieren lässt.

Und auf welche Phase hätten Sie gern verzichten können?

Thomas Braun: Vermutlich denkt jeder Leser zunächst ‚Corona‘. Das betraf uns aber nur marginal, weil unsere Anwender naturgemäß im Hygienebereich grundsätzlich bestens ausgestattet sind. Aber auf die BSE-Hysterie hätte ich gerne verzichten können. Obwohl alle Studienergebnisse klar eine Kontamination ausschlossen und bei unseren bovinen Quellen in Australien BSE kein Thema war, wurde die allgemeine Aufregung gern von einigen Wettbewerbern eingesetzt, um unsere Produkte zu diskreditieren. Diese Phase haben wir aber mit ungebrochenem Wachstum abgeschlossen und rückblickend verliert auch das wieder an Dramatik.

Was hätten Sie gern bei Geistlich noch gemacht, was werden Sie nun weiter gespannt verfolgen?

Thomas Braun: Ich habe die Möglichkeit, in der dentalen Szene noch beratend tätig zu sein und sehe noch einiges Potenzial, sowohl in den Produkt- als auch den Anwendungsbereichen, der weiteren Biologisierung und Individualisierung von Konzepten sowie in Interaktionen mit spannenden Unternehmen aus anderen medizinischen Bereichen – es wird sicher nicht langweilig.

Ganz herzlichen Dank, auch für die gemeinsame Zeit, die wir mit Ihnen verbringen durften.

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