Implantate: Schmaler, kürzer, anguliert
Implantate: Beim Einwachsen des Implantats spielt das Design eine entscheidende Rolle. Auch der BDIZ EDI erkennt diese Tatsache an. Zeit für ein paar Fragen zu den Vorteilen schmaler und kurzer Implantate sowie der möglichen Zukunft der Implantatversorgung.

Implantate: Beim Einwachsen des Implantats spielt das Design eine entscheidende Rolle. Auch der BDIZ EDI erkennt diese Tatsache an. Zeit für ein paar Fragen zu den Vorteilen schmaler und kurzer Implantate sowie der möglichen Zukunft der Implantatversorgung. Interview mit Prof. Dr. med. dent. Jörg Neugebauer, Generalsekretär BDIZ EDI
Mit ‚schmaler, kürzer, anguliert‘ (Implantat) war die europäische Konsensuskonferenz des BDIZ EDI bereits mit dem zweiten Update beschrieben. Wie bewerten Sie es, dass die Firma bredent diesen Slogan jetzt konsequent zu verfolgen scheint und nach den ultrakurzen Implantaten nun auch neue schmale Implantate anbietet?
Jörg Neugebauer: Ich begrüße es sehr, wenn die Industrie auf die Anwender und die Wissenschaft hört. Die klinische Praxis, unterstützt von den wissenschaftlichen Ergebnissen, hat gezeigt, dass die besten implantologischen Ergebnisse erzielt werden, wenn der ortständige Knochen optimal ausgenutzt wird – und das geht häufig am besten mit schmalen beziehungsweise kurzen oder anguliert gesetzten Implantaten. Es hat sich auch gezeigt, dass die Implantate, die mit ausreichend Knochen umgeben sind, langfristig die besten klinischen Ergebnisse zeigen.
Können die schmalen Implantate also überall eingesetzt werden?
Jörg Neugebauer: Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass schmale Implantate im posterioren Bereich nichts zu suchen haben. Hier ist es sehr wichtig, die Indikationseinschränkung der Gebrauchsanweisung zu beachten. Bei Einzelzahnimplantaten empfehle ich ein schmales Implantat mit zum Beispiel 3 mm mit nur einer Krone zu versorgen, die nicht größer als 6 mm ist. Dabei ist es aber selbstverständlich, dass die Implantatachse in der Kronenmitte liegt, denn dann gibt es auch keine Probleme, die Vorgaben von Tarnow einzuhalten. Leider beobachte ich, dass zu häufig niedrige Abutments gewählt werden, sodass dadurch das Weichgewebe zu wenig Platz erhält, um langfristig eine gute Durchblutung zu erhalten und um Papillen auszubilden.
Welche weiteren Indikationen sehen Sie für schmale Implantate?
Jörg Neugebauer: Schmale Implantate eignen sich auch sehr gut für mesiale Brückenpfeiler oder als Unterstützungsimplantat bei Full-Arch-Versorgungen. In diesen Fällen ist der Knochenkamm häufig sehr schmal und da ziehe ich es vor, ein schmaleres Implantat einzusetzen, sodass das Implantat durch mehr periimplantären Knochen umgeben ist. Der Knochen benötigt eine ausreichende Stärke, damit er gut durchblutet wird und dadurch stabil bleibt.
Bei herausnehmbaren Versorgungen beklagen sich Patienten häufig, dass die Fixierung durch Implantate bereits nach wenigen Monaten nachlässt. Wo sehen Sie die Ursache?
Jörg Neugebauer: Das liegt in erster Linie an der gewählten Implantatposition. Die Implantate werden gerne im anterioren Bereich gesetzt, ohne eine entsprechende posteriore Unterstützung. Durch den langen Hebel der Prothese entsteht Druck auf den Kieferknochen, der zu Knochenabbau führt und damit die Stabilität der Prothesenfixierung beeinträchtigt. Ferner werden die Retentionselemente stark belastet und versagen frühzeitig. Hier sehe ich in der Kombination von schmalen und ultrakurzen Implantaten in Zukunft eine Möglichkeit, die zahnlosen Patienten im fortgeschrittenen Alter besser zu versorgen.
Im interforaminären Bereich im Unterkiefer ist in der Regel der Knochen sehr stark in der Breite atrophiert, sodass hier nur mit schmalen Implantaten gute Ergebnisse erzielt werden können. Im posterioren Bereich ist dagegen der Knochen in der Höhe atrophiert und dann breit, sodass hier ultrakurze Implantate ihre Stärke ausspielen können.
Wenn dann noch die ultrakurzen und die schmalen Implantate die gleiche Innengeometrie aufweisen, dann hat der Anwender nur wenige Probleme die Patienten minimalinvasiv zu versorgen und den besonders anspruchsvoll zu erbringenden Knochenaufbau zu vermeiden, unabhängig davon, welche Art der Prothesenfixierung er verwendet. Durch die langjährigen klinischen Erfahrungen, die jetzt schon wiederholt vom BDIZ EDI aufgearbeitet wurden, handelt es sich um keine Außenseitermethode mehr, wenn kurze, schmale oder anguliert gesetzte Implantate verwendet werden.
Vielen Dank für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.




