Parodontaltherapie: Was heute den Unterschied macht
Die Dentalhygienikerin, Praxisberaterin und viel gebuchte Referentin Vesna Braun begleitet seit vielen Jahren Patienten in der Parodontaltherapie. Welche sind die heutigen Herausforderungen und unterstützenden Therapiekonzepte in der nichtchirurgischen Behandlung und welche Faktoren sind entscheidend für nachhaltige klinische Erfolge?

Die Dentalhygienikerin, Praxisberaterin und viel gebuchte Referentin Vesna Braun begleitet seit vielen Jahren Patienten in der Parodontaltherapie. Welche sind die heutigen Herausforderungen und unterstützenden Therapiekonzepte in der nichtchirurgischen Behandlung und welche Faktoren sind entscheidend für nachhaltige klinische Erfolge?
Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit der nichtchirurgischen Parodontaltherapie. Welche Entwicklungen haben die Behandlung in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht besonders geprägt, und worauf kommt es heute für langfristige Therapieerfolge an?
Vesna Braun: In den vergangenen Jahren hat sich die nicht-chirurgische Parodontaltherapie deutlich weiterentwickelt. Besonders prägend waren die Einführung der neuen Klassifikation parodontaler Erkrankungen, die stärkere Orientierungen an evidenzbasierten Therapiekonzepten sowie das wachsende Verständnis der Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Allgemeingesundheit. Heute steht nicht mehr allein die Behandlung einzelner Zahnfleischtaschen im Vordergrund, sondern ein strukturierter und langfristig angelegter Therapieprozess. Neben der professionellen Biofilmentfernung spielen die Aufklärung und Motivation der Patienten eine zentrale Rolle. Denn der langfristige Erfolg hängt entscheidend davon ab, wie gut es gelingt, die häusliche Mundhygiene und das Gesundheitsbewusstsein dauerhaft zu stärken. Gleichzeitig wissen wir heute, dass Parodontitis eine chronische Erkrankung ist, die eine kontinuierliche Betreuung erfordert. Deshalb hat die UPT, die unterstützende Parodontitistherapie, einen deutlich höheren Stellenwert erhalten. Regelmäßige Nachsorge, individuelle Risikobewertung und frühzeitiges Erkennen von Entzündungsaktivität sind wesentliche Faktoren, um Behandlungsergebnisse langfristig zu stabilisieren.
Aus meiner Sicht entstehen nachhaltige Therapieerfolge immer dann, wenn moderne Behandlungskonzepte, ein qualifiziertes Praxisteam und ein aktiv mitarbeitender Patient zusammenwirken. Genau dieses Zusammenspiel entscheidet darüber, ob Entzündungen dauerhaft kontrolliert und Zähne langfristig erhalten werden können.
Wenn Sie neue unterstützende Therapieansätze in Ihren Praxisalltag integrieren: Welche Anforderungen müssen diese erfüllen, in welchen Indikationen setzen Sie sie ein und welche Patientengruppen profitieren besonders davon?
Vesna Braun: Wenn ich neue unterstützende Therapieansätze in den Praxisalltag integrieren möchte, müssen diese vor allem wissenschaftlich nachvollziehbar, einfach anwendbar und sinnvoll in bestehende Behandlungskonzepte integrierbar sein. Entscheidend ist für mich außerdem, dass sie einen erkennbaren Mehrwert für die Patienten bieten und sich problemlos in die Abläufe einer modernen Parodontaltherapie einfügen.
Zum Einsatz kommen unterstützende Maßnahmen insbesondere bei Patienten mit erhöhtem parodontalem Risiko, persistierenden Entzündungen oder erschwerten lokalen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise tiefe Resttaschen oder Furkationsbeteiligungen, daneben grundsätzlich Implantatpatienten sowie Patienten mit systemischen Risikofaktoren oder eingeschränkter Mundhygienefähigkeit. In meiner Praxistätigkeit setze ich seit ca. drei Jahren u.a. Pocket-X Gel als ergänzende lokale Maßnahme ein. Dabei steht für mich nicht das Produkt selbst im Vordergrund, sondern die Möglichkeit die mechanische Therapie gezielt zu unterstützen und bestimmte klinische Situationen individuell zu begleiten. Solche ergänzenden Ansätze können insbesondere bei Patienten sinnvoll sein, bei denen trotz sorgfältiger Instrumentierung weiterhin Entzündungszeichen bestehen oder bei denen eine zusätzliche lokale Unterstützung gewünscht ist.
Welche Eigenschaften einer lokalen Zusatztherapie sind für Sie im klinischen Alltag besonders relevant?
Vesna Braun: Für den klinischen Alltag sind vor allem Eigenschaften relevant, die eine sichere, unkomplizierte und reproduzierbare Anwendung ermöglichen. Eine lokale Zusatztherapie sollte sich gut in bestehende Behandlungsabläufe integrieren lassen, delegierbar sein und dort zum Einsatz kommen, wo sie die mechanische Therapie sinnvoll ergänzen kann. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Handhabung, die Verweildauer am Wirkort sowie das zugrunde liegende Wirkprinzip. Je länger ein Wirkstoff gezielt am gewünschten Ort verbleibt, desto besser kann er seine unterstützende Funktion entfalten. Gleichzeitig muss die Anwendung sowohl für das Behandlungsteam als auch für die Patienten praktikabel sein. Ein interessantes Beispiel ist für mich die thermoresponsive Eigenschaft von Pocket-X Gel. Das Material lässt sich zunächst gut applizieren und passt sich anschließend durch den Temperaturwechsel den Gegebenheiten in der Tasche an. Dadurch wird eine längere Verweildauer am Wirkort ermöglich, was aus klinischer Sicht ein wichtiger Aspekt sein kann. Letztlich entscheidet jedoch immer die individuelle Behandlungssituation darüber, welche unterstützende Maßnahme sinnvoll ist. Lokale Zusatztherapien ersetzen nicht die sorgfältige mechanische Instrumentierung, die individuelle Beratung oder die konsequente Nachsorge. Sie können diese aber in ausgewählten Fällen gezielt ergänzen.
Welche klinischen Veränderungen beobachten Sie bei erfolgreichen unterstützenden Maßnahmen im Verlauf der Behandlung, und welchen Einfluss können diese auf die weitere Therapieplanung haben?
Vesna Braun: Bei erfolgreichen unterstützenden Maßnahmen beobachten wir häufig eine schnellere Beruhigung entzündlicher Prozesse, eine Verbesserung der Gewebesituation sowie eine Reduktion von BOP. Im weiteren Verlauf können sich die Taschensituation stabilisieren und die Bedingungen für die UPT verbessern. Risikofaktoren können besser eingeschätzt werden, Nachsorgeintervalle angepasst und der langfristige Therapieerfolg gesichert werden. Solche sichtbaren Behandlungserfolge fördern auch die Patientenmotivation und stärken die Patientenadhärenz. Gerade bei lokalen Adjuvantien ist aus meiner Sicht insbesondere von Vorteil, wenn unterschiedliche Wirkprinzipien miteinander kombiniert werden. So vereint Pocket-X Gel beispielsweise Bestandteile wie Hyaluronsäure und Octenidin mit einer thermoresponsiven Gelstruktur. Diese Kombination verbindet biologische, physikalische und lokale unterstützende Eigenschaften in einem Ansatz.
Wenn Sie die Behandlung aus der Perspektive von Patienten betrachten: Welche Faktoren sind für Akzeptanz, Nutzen und Wirtschaftlichkeit entscheidend?
Aus Patientensicht sind vor allem drei Aspekte entscheiden: Verständlichkeit, wahrnehmbarer Nutzen und ein angemessenes Verhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis. Patienten möchten verstehen, warum bestimmte Maßnahmen empfohlen werden und welchen Beitrag diese zum langfristigen Erhalt ihrer Mundgesundheit leisten können. Die Akzeptanz steigt deutlich, wenn Behandlungen nachvollziehbar erklärt werden und Patienten aktiv in Entscheidungen eingebunden werden. Gleichzeitig spielen Komfort, Behandlungsdauer und die Integration in den Alltag eine wichtige Rolle. Je einfacher und transparenter ein Therapiekonzept vermittelt wird, desto höher ist in der Regel die Bereitschaft zur Mitarbeit. Auch die Wirtschaftlichkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Patienten sind durchaus bereit, in ihre Gesundheit zu investieren, erwarten jedoch eine nachvollziehbare Empfehlung und einen erkennbaren Mehrwert. Deshalb sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben des Praxisteams darin, individuelle Therapieziele transparent zu kommunizieren und gemeinsam mit dem Patienten Lösungen zu finden, die medizinisch sinnvoll und langfristig tragfähig sind.




