Umbrella-Technik: Raum und Ruhe schaffen!
Die Schirmschrauben- oder Umbrella-Technik als augmentatives Verfahren wurde erstmals 2010 vorgestellt und inzwischen sowohl hinsichtlich der Hardware als auch des chirurgischen Protokolls weiterentwickelt. Wie unterstützt sie inzwischen die horizontale, vor allem aber die begehrte vertikale Knochenrekonstruktion?

Die Schirmschrauben- oder Umbrella-Technik als augmentatives Verfahren wurde erstmals 2010 vorgestellt und inzwischen sowohl hinsichtlich der Hardware als auch des chirurgischen Protokolls weiterentwickelt. Wie unterstützt sie inzwischen die horizontale, vor allem aber die begehrte vertikale Knochenrekonstruktion? Interview mit Priv.-Doz. Dr. Dr. Markus Schlee
Fassen Sie uns das Konzept der Umbrella-Technik bitte noch einmal kurz zusammen.
Markus Schlee: Die Schirmschrauben- oder Umbrellatechnik, die übrigens schon 1967 erstmals als „Tenting Technique“ in der Literatur genannt wurde, wird in der Chirurgie zur Stabilisierung von Knochen- oder Gewebetransplantationen eingesetzt. Dabei werden eine oder mehrere Schrauben angebracht, die das Augmentat vor äußerem Druck schützen, und der Augmentation insgesamt die für die Heilung und Integration des Gewebes nötige Ruhe verschaffen. Damals benutzte man einfache Osteosynthese-Schrauben, die Ergebnisse waren damit aber nicht nur ermutigend. Durch das heutige, gemeinsam mit Ustomed von mir entwickelte und von Geistlich Biomaterials angebotene Design, mit einem größeren Kopf der Schirmschrauben, bekommt man die notwendige Stabilität. Das dahinterliegende biologische Prinzip ist schlicht, Raum und Ruhe zu schaffen. Wie kann ich das Augmentat am leichtesten stabilisieren und die umliegenden Gewebe dabei dem geringstmöglichen Stress aussetzen.
Wo sehen Sie die Vorteile zu Alternativen wie der Schalen-oder Blockaugmentation?
Markus Schlee: Es ist wesentlich schneller, billiger und effektiver, und das Komplikationsmanagement ist auch deutlich einfacher. Selbst wenn ich intraoperativ auf andere Verhältnisse treffe als ursprünglich gedacht, bin ich mit den Schirmschrauben deutlich flexibler. Und auch bei einem, ohnehin selten genug, vorzeitigen Schraubenverlust kann ich das Implantat weiterhin an der geplanten Stelle setzen. Und das alles beim selben Honorar wie bei den deutlich aufwändigeren Schalen-, Block- oder Gitter-Augmentationen. Allein die erforderlichen Planungen und Vorbereitungen bei diesen Alternativen – da bin ich mit den Schrauben schon mit der kompletten Behandlung fertig!
Inwieweit regeneriert sich der ortsständige Knochen mit der Unterstützung der Schirmschrauben von selbst weiter, und in welchen Situationen benötigen Sie zusätzliche Augmentationsmaterialien?
Markus Schlee: Irgendwie schreiben alle immer wieder falsch voneinander ab, zumindest sind die Durchschnittswerte der maximal möglichen Knochenzunahme, die immer wieder genannt werden, nicht korrekt. Wir schaffen in der Horizontale ohne Probleme 4,6 mm. In der Vertikale ist das regenerative Potential durch die geringere Auflagefläche naturgemäß limitierter, aber im Grunde bekomme ich mehr Ergebnis, je mehr ich augmentiere. Der TPI – Target Performance Index ist wichtig – wie viel brauche ich für mein Implantat? Daraus ergibt sich die richtige Vorgehensweise.
Sie sind bekannt für Ihre beharrliche Forderung nach wissenschaftlicher Evidenz, auch bei überzeugender klinischer Performanz – wie sieht es hier damit aus?
Markus Schlee: Gutes Stichwort, denn tatsächlich stehen wir kurz vor der Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Publikation zur simultanen Implantation und Augmentation mit der Schirmschraubentechnik. Bei gängigen GBR-Verfahren erzielen wir laut der Literatur eine Erfolgsquote, also einer vollständigen Osseointegration des Implantates nach Augmentation, von maximal 84%. Wir erreichen, wie wir in der Publikation nachweisen können, eine Erfolgsrate von doch beachtlich höheren 92% und das Ausmaß freiliegender Implantathälse liegt mit der Schirmschraubentechnik messbar unter 1 mm.
Welche Tipps haben Sie für Kolleginnen und Kollegen, die sich mit der Schirmschrauben-Technik anfreunden wollen?
Markus Schlee: Eigentlich ist es recht einfach: Wer mit Weichgewebe umgehen kann, wird sich auch mit der Schirmschrauben-Technik ohne Probleme zurechtfinden. Zentral ist die Frage des guten Weichgewebsmanagements, denn auch bei diesem Konzept ist ein spannungsfreier Wundverschluss wesentlich. Ein Einführungskurs kann wiederum auch dann nicht schaden, hier finden sich auf der Website von Geistlich Biomaterials regelmäßig Termine.
Herzliches Danke für das Gespräch!




