Worauf es bei der Implantatpflege zu Hause wirklich ankommt
Implantatpflege: Gesundheits-Implantate verlangen eine konsequente Mundhygiene, um Entzündungen vorzubeugen und ihre Funktion langfristig zu sichern.

Implantatpflege: Gesundheits-Implantate verlangen eine konsequente Mundhygiene, um Entzündungen vorzubeugen und ihre Funktion langfristig zu sichern. Prophylaxeexpertin DH Katja Urbahn erläutert, wie Patienten Implantate wirksam pflegen, welche Hilfsmittel geeignet sind und welche Warnsignale beachtet werden sollten. Interview mit Katja Urbahn, Dentalhygienikerin, B. Sc., und Gesundheitspädagogin, M. A.
Welche spezifischen Herausforderungen sehen Sie bei der häuslichen Implantatpflege, die Implantologen ihren Patienten unbedingt vermitteln sollten?
Katja Urbahn: Ich halte es für essenziell, dass Implantologen ganz transparent mit ihren Patienten besprechen, welche Besonderheiten bei Implantatversorgungen vorliegen. Dazu zählt zum einen, dass Implantate mindestens genauso vulnerabel sind wie natürliche Zähne, und zum anderen, dass für Implantate eine spezifische Pflege unerlässlich ist.
Welche Reinigungsinstrumente und Hilfsmittel empfehlen Sie Ihren Patienten standardmäßig – und wo sehen Sie individuelle Anpassungsnotwendigkeiten?
Katja Urbahn: Selbstverständlich gehört eine geeignete Zahnbürste ins Inventar eines jeden Patienten. Dabei ist allerdings gar nicht entscheidend, ob manuell oder elektrisch – auf die Putztechnik kommt es an. Diese sollte regelmäßig zusammen mit dem Praxispersonal evaluiert und bei Bedarf angepasst und eingeübt werden. Zusätzlich empfehle ich standardmäßig Zahnseide, am besten aufquellende, flauschige Zahnseide wie z. B. die meridol Flausch-Zahnseide, und natürlich Interdentalbürstchen. Beides eignet sich gut zur Pflege von Implantaten. Je nach anatomischen Gegebenheiten können sich allerdings unterschiedliche Hilfsmittel als geeignet herausstellen. Bei sehr großen, flächigen Suprakonstruktionen etwa kann flauschige Zahnseide hilfreich sein, um an das Abutment zu gelangen. Wichtig ist, dass die Zahnseide nicht auffasert und keine Reste am Implantat verbleiben. Aus diesem Grund empfehle ich nur qualitativ hochwertige Produkte.
Auch Einbüschelbürsten oder Kinderzahnbürsten können eine hilfreiche Ergänzung bei der Implantatpflege sein, vor allem bei schwer zugänglichen Bereichen wie Stegversorgungen oder All On-Four- und All On-Six-Konstruktionen.
Wie schulen Sie Patienten effektiv im Umgang mit komplexeren Pflegeinstrumenten wie Interdentalbürstchen, Zahnseide oder Mundduschen?
Katja Urbahn: Um effektiv zu schulen, eignet sich die Tell-Show-Do-Methode. Zuerst wird erläutert, welches Hilfsmittel sinnvoll ist und welche Vorteile es bietet. Anschließend folgt die Demonstration – am Modell oder direkt im Mund. So sehen Patienten die richtige Anwendung und erkennen mögliche Effekte, etwa durch angefärbte Plaque. Danach probieren sie das Instrument unter Anleitung selbst aus und sammeln ein erstes Erfolgserlebnis noch im Behandlungszimmer. Im Idealfall kann so schon ein erster Aha-Effekt geschaffen werden, sodass der Patient selbstbewusst und motiviert heim geht. Wichtig ist dabei immer, sich als Therapeut selbst klar zu sein: Kein Meister ist je vom Himmel gefallen. Auch kleine Verbesserungen sind Fortschritte, und die gilt es stets herauszustellen, um die Motivation zu erhalten und zu fördern.
Gibt es aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse oder klinische Trends, die das häusliche Pflegekonzept für Implantatpatienten verändern könnten?
Katja Urbahn: Über die letzten Jahre konnte man recht deutlich sehen, dass sich schon beim Setzen der Implantate einiges geändert hat. Es wird vermehrt auf ein gutes Weichgewebsmanagement geachtet, sodass nicht schon von Anfang an Prädilektionsstellen bestehen, zum Beispiel wenn nach Insertion bereits 6 mm Sondierungstiefen vorliegen und eine Infektion dadurch deutlich schneller entstehen kann. Außerdem konnte in einer aktuellen Studie von Oh et al. aus diesem Jahr gezeigt werden, dass die Augmentation keratinisierter Mukosa zu deutlich weniger Entzündungen am Implantat führt. Zum anderen sieht man im Sinne der Pflegbarkeit auch zahntechnisch immer häufiger wirklich gute Versorgungen. Für die häusliche Pflege sind inzwischen Wirkstoffe wie Hyaluronsäure und CPC attraktiver, da sie sich auch zur langfristigen Anwendung eignen. In Form einer Mundspüllösung wie z. B. meridol Parodont Expert können damit auch schwer erreichbare Implantatbereiche gepflegt werden.
Herzlichen Dank für das Gespräch.




