Eine Fallstudie von Zahntechnikermeister Gerhard Neuendorff, Zahntechnikerin Sigrid Becker, Dr. med. dent. Axel Kirsch

Eine perio-implantat-prothetische Gesamtrehabilitation fordert alle Aspekte einer Teamzusammenarbeit von Klinik und Labor auf Augenhöhe. Das Backward-Planning-Konzept (nach Kirsch 1995) gibt das prothetisch-funktionelle und ästhetische Behandlungsergebnis vor. Der Zahntechniker ist von Anfang an in die Befunderhebung und Planung mit einbezogen. Das Ziel bestimmt alle notwendigen Behandlungsschritte. Das gilt insbesondere für vorbereitende/begleitende parodontologische, augmentative und weichgewebs-chirugische Maßnahmen.

Die meisten Verbesserungen und „Neuentwicklungen“ von Implantatsystemen beziehen sich auf einzelne Aspekte. Dabei stellt sich häufig die Frage nach der Relevanz.

Das Team Filderstadt hat seit Jahrzehnten in allen Aspekten der Implantologie einen sehr umfangreichen Wissenspool zusammengetragen (Klinik-Chirurgie, Klinik-Prothetik, Labortechnik, Materialkunde und nicht zuletzt Fertigungstechnologie).

Die Erfahrungen der Vergangenheit fließen in die tägliche Fallplanung ein. Erkannte Defizite der Hardware bedingen dann ein grundsätzliches Umdenken bzw. einen Paradigmenwechsel. Ein Beispiel ist die Einführung der rotationsgesicherten „tube-in-tube“ Implantat-Abutment Verbindung.

Oft wird versucht, ein vorhandenes System an erweiterte Indikationen oder „neue“ Behandlungskonzepte anzupassen. Die Notwendigkeit einer Auf-/Abwärts-Kompatibilität verwässert das Bemühen.

Die einzige Lösung ist eine Neuentwicklung ohne Rücksicht auf Bestehendes. Die Hardware muss anwenderfreundlich sein und einfach ein langzeitstabiles Ergebnis ermöglichen. Das Ergebnis der Implementierung eines neuen Systems beinhaltet sowohl revolutionäre als auch evolutionäre Komponenten.

Das neue Logon-Implantatsystem überzeugt durch:

  • eine zukunftsweisende, ultrahydrophile, nanostrukturierte 
Oberfläche
  • eine bahnbrechende Implantat-Abutmentverbindung mit 
einer Trennung von Eindreh- und Indexierungsgeometrie
  • geringstmögliche Toleranzen und überragende Präzision in 
der Fertigung
  • deutliche Handlingsvorteile in Chirurgie und Prothetik

Ausgangssituation

In der klinischen Untersuchung zeigt sich eine insuffiziente teilprothetische Versorgung über Konuskronen im Ober- und eine festsitzende Versorgung im Unterkiefer mit reduzierten Zahnreihen (Abb. 1-4). Die Weich- und Hartgewebssituation ist mit mäßiger lateraler Atrophie deutlich vertikal reduziert. Die alio loco gesetzten Implantate im Unterkiefer sind fest und können in die neue Rehabilitation mit einbezogen werden.

Bildbeschriftungen im Vollbildmodus

Konzept

Die Planung der Behandlungsschritte folgt dem Backward- Planning-Konzept nach Kirsch:

  • Anamnese, klinische, radiologische und labortechnische Befundung, Erstplanung
  • Parodontalsanierung und Implantation in der Ober- und 
Unterkieferfront mit Herstellung eines Langzeitprovisoriums 
zur Ausheilung
  • Erweiterte radiologische Diagnostik im Oberkiefer, 3D-CT- Planung der prothetisch korrekten Position der Oberkieferseitenzähne, Herstellung einer Bohrschablone zur Implantation
  • Schablonen-navigierte Implantation der Oberkieferseitenzähne
  • Extraktion 44 mit Sofortimplantation
  • Eröffnung der Implantate im rechten Oberkiefer
  • Herstellung der Unterkieferprothetik
  • Herstellung der Oberkieferprothetik

Implantatinsertion

Die Implantate in der Ober- und Unterkieferfront (Logon-Implantatsystem) werden mit unbelasteter Einheilung als Sofortimplantate gesetzt. Simultan zur Präparation der Oberkieferzähne werden an Position 11 und 21 Implantate mit der Größe 5,0/15 mm gesetzt. Zur offenen Einheilung werden zylindrische Gingivaformer (Höhe 4 mm; Logon) postoperativ eingeschraubt (Abb. 5-11).

Das Langzeitprovisorium wird gleichzeitig für die Herstellung der CT-Planungsschablone sowie für die Planung der distalen Implantate im Oberkiefer genutzt. Die Zähne werden vom Zahntechniker unter prothetischen Aspekten geplant.

Für die unbelastete offene Einheilung in der Unterkieferfront wurde präoperativ eine Marylandbrücke von 32-42 mit einer Auflage auf jeweils zwei distalen Zahneinheiten angefertigt. Das verwendete Logon-Implantatsystem erlaubt mit dieser Dimension, trotz des eingeschränkten Knochenangebots, eine optimale Implantatpositionierung bei ausreichender Belastbarkeit. Abschließend wird die Marylandbrücke eingesetzt (Abb.12-14).

Die 3D-CT Rekonstruktion (Abb. 15, 16) zeigt eine transversal ausreichende Knochensituation, sodass auf eine laterale Augmentation verzichtet werden kann. Die Ausdehnung der Kieferhöhle erlaubt im zweiten Quadranten eine Implantation ohne Sinusbodenelevation. Eine leichte Verbesserung der vertikalen Dimension lässt sich mit einem Osteotom erreichen. Im ersten Quadranten wird simultan mit der Implantation eine Sinusbodenelevation und Augmentation notwendig. Hier wird eine gedeckte Einheilung geplant.

Die Restauration im Oberkiefer erfordert unterschiedliche chirurgische Techniken für ein optimales Weichgewebsmanagement (apikaler Verschiebelappen mit tiefer Entlastungsnaht zur Sicherstellung eines spannungsfreien Nahtverschlusses, Gestaltung des Durchtrittsprofils in der Oberkieferfront mit individuellen Gingivaformern), um ein funktionales und ästhetisches Ergebnis zu erhalten (Abb. 17-23).

Bildbeschriftungen im Vollbildmodus

Bildbeschriftungen im Vollbildmodus

Herstellung der definitiven Restaurationen

Bei der Abformung ist die sichere korrekte Positionierung der Abdruckpfosten von größter Relevanz. Hier erlaubt das Logon-System eine einfache „eingebaute“ optische Kontrolle an der Halteschraube. Bei korrekter Positionierung ist die Schraube 2 mm sichtbar, nach korrektem Einschrauben liegt die Schraube bündig. Nach Einsetzen der zahn- und implantatgetragenen Vollkeramikkronen (ZIF Innovationsschmiede) zeigt sich ein funktionales langzeitstabiles und ästhetisches Lächeln einer zufriedenen Patientin (Abb. 24-34).

Autoren

Zahntechnikermeister Gerhard Neuendorff

Zahntechnikermeister Gerhard Neuendorff

  • 1985 Meisterprüfung im Zahntechnikhandwerk
  • GF der ZIF Innovationsschmiede, Dentaltechnik Dr. Kirsch GmbH
  • Mitentwicklung des Camlog- und des Logon-Systems
  • Intern. Referent und Autor etlicher Publikationen
Zahntechnikerin Sigrid Becker

Zahntechnikerin Sigrid Becker

  • 2001 Gesellenprüfung zur Zahntechnikerin (ZT)
  • 2005 – 2013 ZT bei Aupperlen Dentaltechnik, Kirchheim
  • Seit 2014 ZT bei ZIF Innovationsschmiede, Filderstadt

info@z-i-f.eu
www.z-i-f.eu

Dr. med. dent. Axel Kirsch

Dr. med. dent. Axel Kirsch

  • 1969 Appr. als ZA, 1970 Ass/OA (Uni Freiburg), FachZA Oralchir., 1974 eig. Praxis in Filderstadt
  • Seit 1971 exp. u. klin. wiss. Tätigkeit Oromaxillofaziale Implantologie
  • 1976 Entwicklung (Koch/Kirsch) u. Markteinführung des IMZ-Implantatsystems
  • 1995 – 1999 Entwicklung, klin. Prüfung, Markteinführung des Camlog-Implantatsystems
  • 2002 Gründung der Morphoplant GmbH (Bochum),
  • 2009 Gründung der Epiphanostics GmbH
  • 2014 Gründung der Logon OMF Bioactive Systems GmbH, Entwicklung und Herstellung des Logon- Implantatsystems
  • Seit 1988 Weltweite Gastprofessuren (u.a. USA, Japan, Serbien)
  • 2003 Isaiah Lew Memorial Research Award (AAID)
  • 2008 Lifetime Achievement Award, Academy of Oral Implantology, India
  • Ehrenmitglied der DGI und DGOI

axelkirsch@logon-biotech.com

www.logon-biotech.com

Gesamten Artikel herunterladen.

DOWNLOAD PDF