Biologische Zahnmedizin: Es macht pip immer wieder gute Laune, wenn Zahnarzt-Dynastien erfolgreich fortgesetzt werden. So ist auch Dr. Johanna Graf als Expertin für Keramikimplantate und Anhängerin einer biologischen Zahnmedizin in die Praxis ihres Vaters in Straubing eingestiegen. Dr. Karlheinz Graf war dabei offenbar nicht nur zahnmedizinischer Wegbereiter.

Interview mit Dr. med. dent. Johanna Graf, Implantologin

pip: Wie sehr hat Ihr Vater als Präsident der deutschen Gesellschaft für Umwelt- und Human-Toxikologie Ihren Werdegang beeinflusst?

Johanna Graf: Tatsächlich habe ich schon als Jugendliche viel Zeit in der Praxis verbracht, da mich immer wieder erschütterte, aber auch faszinierte, wie eine kranke Mundhöhle chronische Leiden ganz fernab des Mundes verursachen kann. Das Thema hat mich nie wieder losgelassen, und mittlerweile gebe ich selber Seminare und bin Autorin verschiedener Fachartikel.

pip: Was umfasst für Sie biologische und Umwelt-Zahnmedizin?

Johanna Graf: Etwa 40 % der Bevölkerung sind heute durch chronische Erkrankungen in ihrer Lebensweise eingeschränkt, Tendenz steigend. Irgendwann bringt der berühmte letzte Tropfen das Fass, das unsere immunologische Kompensationsfähigkeit darstellt, zum Überlaufen und es entsteht eine chronische Krankheit. Es geht aber nicht um dieses eine Symptom. Ziel einer Diagnostik und Therapie muss das Erkennen und Beseitigen von mehrfachen Belastungsfaktoren und die gleichzeitige Stärkung des Immunsystems sein. Gerade Zähne, Kieferknochenbereiche und zahnärztliche Werkstoffe können Mitursache von oft schwer therapierbaren Erkrankungen sein. Als Umweltzahnmediziner wissen wir solche Störfelder zu diagnostizieren und zu therapieren und konnten damit schon vielen Patienten helfen, ihre Gesundheit zurückzuerlangen. Erfahrungsbedingt gehen wir inzwischen davon aus, dass 70 % aller chronischen Erkrankungen mit der Mundhöhle vergesellschaftet sind.

pip: Glauben Sie, dass mit der wachsenden Zahl an Zahnmedizinerinnen biologische Konzepte und Umweltzahnmedizin vermehrt Anwendung finden werden?

Johanna Graf: Ich glaube nicht, dass dies eine geschlechterspezifische Frage ist. Durch die drastisch ansteigende Zahl chronischer Erkrankungen wird man nach weiteren Ursachen und neuen Therapieansätzen suchen müssen und früher oder später wird es sich auch in der universitären Meinung manifestieren, dass Zähne einen erheblichen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit haben.

pip: Wo liegen für Sie die Vorteile von Keramikimplantaten wie SDS?

Johanna Graf: Durch meinen Vater bin ich mit der biologischen Zahnmedizin groß geworden. Er und SDS-Gründer Ulrich Volz kannten sich als ‚Gleichgesinnte‘ schon lange, und so kam ich als eine der ersten Anwenderinnen in den Genuss, mit SDS-Implantaten zu arbeiten. Im Vergleich zu anderen Herstellern hat SDS nicht nur Keramikimplantate auf den Markt gebracht, sondern ein umfassendes biologisches Behandlungskonzept dazu. Jeder Anwender muss zuvor einen Kurs absolviert haben – so sorgt SDS dafür, dass die ganzheitliche Betrachtung des Patienten im Vordergrund steht. Dieses Gesamtkonzept trägt maßgeblich zu unserem Erfolg in der Keramikimplantologie bei. Das hervorragend konzipierte Dynamic Thread-Gewinde der SDS-Implantate macht daneben bei uns zu 90 % eine Sofortimplantation auch bei großen Knochendefekten möglich.

pip: Bestehen nicht immer noch Probleme hinsichtlich der Bruchfestigkeit?

Johanna Graf: Hinsichtlich einer angeblichen Sprödigkeit des Zirkonoxids und damit erhöhten Bruchanfälligkeit kann ich Ihnen nach über 1.500 gesetzten Keramikimplantaten und aus Erfahrung versprechen: Bei regelgerechter Implantation und korrekter Okklusionskontrolle der Implantatkronen können Frakturen ausgeschlossen werden.

pip: Wie erleben Sie Ihr besonderes Konzept im Patienten, aber auch im Zuweiser- und im Kollegenkreis?

Johanna Graf: Seit 1990 lebt unsere Praxis die ganzheitlich-systemische Umweltzahnmedizin und biologische Zahnmedizin. Die Erfahrung und Patientenfeedbacks, die bereits wenige Stunden bis Tage nach der Behandlung von einer deutlichen Besserung zum Teil langjährig bestehender Symptome berichten, bestärken uns immer wieder. Im Zuweiser- und Kollegenkreis beobachten wir ebenfalls erfreulicherweise ein Umdenken – die Erkenntnis, dass ‚an jedem Zahn ein Mensch hängt‘, scheint sich breiter durchzusetzen.

pip: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.