Nach wie vor stellt der Mittelstand das Rückgrat der dentalen Innovationen dar und kaum ein Beispiel passt hier besser als die Hamburger Firma steco system technik. Nun feiert die steco ihr 25-jähriges Bestehen und hat sich von einem kleinen Familienunternehmen zu einem innovativen Globalplayer entwickelt.

Interview mit Hjalmar Stemmann, Geschäftsführer steco systems technik

pip: Herr Stemmann, steco feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Was war für Sie und Ihren Vater damals Anlass, das Unternehmen zu gründen?

Hjalmar Stemmann: Mein Vater hat seit Mitte der 1970er-Jahre an der Entwicklung von magnetgehaltenem Zahnersatz geforscht und kam auf die Idee, das ganze erstens mit der Implantologie zu verbinden und zweitens die eigentlich korrosiven Magnete in Titan einzuhüllen. Das war die Geburtsstunde der Titanmagnetics und letztlich auch die der steco.

pip: 1996 waren Magnete eine exotische Alternative zu Kugelköpfen und Stegen. Wo sehen Sie Ihr System heute?

Hjalmar Stemmann: Kugelköpfe und Stege kannte man bereits aus der Hybridprothetik. Gegen Magnete gab es anfänglich viele Bedenken. Es wurden Komplikationen im Zusammenspiel mit Herzschrittmachern, Hörgeräten oder dem Blutbild und dem Zellwachstum befürchtet. Wir haben in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen bewiesen, dass Magnete keine negativen Auswirkungen auf den menschlichen Körper oder medizintechnische Heilmittel haben. Heute sind wir häufig die Alternative oder gar der Ersatz für die populären Locatoren, insbesondere weil es bei den Titanmagnetics keinen dauernden Matrizentausch gibt.

pip: Neben Totalprothesen werden auch Epithesen mit Magneten verankert. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Hjalmar Stemmann: Am Anfang standen drei Patienten mit Ohrdefekten, die im Universitätskrankenhaus Eppendorf betreut wurden. Zusammen mit dem damaligen Chef Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzle und seinem Oberarzt PD Dr. Dr. Steffen G. Köhler entwickelte mein Vater eine Methode, um Epithesen über Magnete sicher zu verankern. Dafür bekam er 1994 zusammen mit den Wissenschaftlern den Adalbert-Seifriz-Preis für Technologietransfer, dem noch viele weitere Auszeichnungen folgen sollten. Die implantatgestützte Verankerung von Totalprothesen in der Alterszahnmedizin und von Epithesen und Obturatoren in der Defektprothetik sind die zwei wichtigsten Einsatzfelder von Titanmagnetics, es gibt sie aber auch für Wurzelstiftkappen und zur Extrusion von Zahnwurzeln.

pip: Heute ist steco auch für Bohrhülsen bekannt. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Warum eigentlich Hülsen aus Titan?

Hjalmar Stemmann: Bereits 1998 haben wir angefangen, Titanhülsen als Planungs- und Bohrhülsen zu entwickeln. Damals steckte die Implantatplanung noch in ihren Anfangszeiten. Mit der Entwicklung von strahlungsarmen DVT und der Umstellung auf 3D erlebte die Implantatplanung einen großen Aufschwung und unsere Hülsen waren immer mit dabei. Inzwischen gibt es Einzelhülsen, Doppelhülsensysteme und Führungshülsen, die in zahlreichen CAD-Programmen als Bibliothek abgespeichert sind. Titan hinterlässt im Röntgenbild des CT oder im DVT keine Streustrahlung. Zudem kann es zu keiner Fremdmetallkontamination kommen, wenn mal ein Span aus der Hülse beim Bohren abgetragen wird, da die Hülsen die gleiche Titanqualität haben wie Implantate.

pip: Ganz aktuell: Wie ist steco bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Hjalmar Stemmann: Das Jahr 2020 war anstrengend, ist aber gut verlaufen. Nach dem ersten Lockdown haben wir sehr schnell wieder Fahrt aufgenommen und das Jahr insgesamt sehr gut abgeschlossen. Auch 2021 ist bisher gut verlaufen. Von daher sehen wir hoffnungsvoll in die Zukunft.

pip: Zum Schluss noch eine Frage – Wird es 2021 eine Feier zum Jubiläum geben?

Hjalmar Stemmann: Unser Jubiläumstag ist der 1. Oktober 2021. Wir hoffen sehr, dass wir dann wieder sowie zur IDS mit einigen Jubiläumsaktionen feiern können. Wenn nicht, dann holen wir das alles 2022 nach.

Herzlichen Dank für das Gespräch.