Bereits seit 2018 weist das CleanImplant Quality Certificate im Implantat Competence Centrum München die Patienten darauf hin, dass die in der Klinik verwendeten Systeme das Trusted Quality-Siegel der Non-profit-Organisation und damit eine geprüfte saubere und sichere Oberfläche besitzen. Bringt das irgendwas?

Interview mit Dr.med. dent. Peter Randelzhofer, Implantologie und Ästhetische Zahnheilkunde

Haben Sie sich auch zertifizieren lassen, dass Sie sich vor der Behandlung die Hände desinfizieren?

Peter Randelzhofer: Klar, vor allem, dass ich sie mir erst einmal überhaupt wasche! Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Aber genau darin liegt die Crux: Die Untersuchungen der CleanImplant Foundation haben ja ergeben, dass das, was wir eigentlich für selbstverständlich halten sollten, durchaus nicht so ist. Trotz aller Prüfsiegel, Audits und eigentlich sehr aufwendigen Medizinprodukte-Regularien sind de facto Implantate im Markt, deren Oberflächen etwa durch organische Partikel aus dem Produktions- oder Verpackungsprozess ganz erheblich verunreinigt sind. Wenn Ihre Eingangsfrage stichhaltig wäre, könnten wir uns übrigens ebenso gut das ganze QM schenken.

Wird hier nicht ein Problem konstruiert, das eigentlich keines ist?

Peter Randelzhofer: Wir dürfen durchaus festhalten, dass nicht alle im Markt befindlichen Systeme oder jene, die noch nicht das Trusted Quality-Zertifikat besitzen, zwingend kontaminiert sind. Auf der anderen Seite kann ich nicht ernsthaft auf Kongressen über die positiven Einflüsse von Mikropartikeln einer besonderen Oberfläche auf eine verbesserte Osseointegration diskutieren, erwiesenermaßen verschmutzte Oberflächen aber dann als unerheblich vom Tisch wischen. Mich hat zudem irritiert, dass einige Hersteller, die sachlich und konstruktiv auf diese Umstände hingewiesen wurden, sofort mit Klagen drohten, statt den Umstand zum Anlass einer Verbesserung ihrer Qualitätskontrolle oder Produktions- bzw. Verpackungsverfahren zu nehmen. Übrigens finden Sie im Board der Stiftung Mitglieder wie Ann Wennerberg, Tomas Albrektsson, Michael Norton und Florian Beuer. Auch unter den Ambassadors sind etliche Namen, denen Sie getrost unterstellen dürfen, ihre Zeit kaum mit Unwesentlichem verplempern zu wollen.

Finden sich Probleme nicht hauptsächlich bei ohnehin etwas ‚exotischen‘ Implantat-Typen?

Peter Randelzhofer: Was sind für Sie ‚Exoten‘? Grundsätzlich ausländische Implantat-Systeme? Oder alles, was nicht marktführend ist oder nur einen Marktanteil von wenigen Prozent hat? Hinter jedem einzelnen Implantat sehen wir die Patienten, die es in ihren Körper inseriert bekommen. Übrigens besitzen ausgerechnet unter den etwas weniger bekannten Systemen einige das Qualitätssiegel bereits seit geraumer Zeit. Vielleicht, weil man so direkt Vorurteile ausräumen wollte, die Sie offenbar auch haben. Zwei marktführende Anbieter aus Deutschland sind aber ebenfalls Partner bei CleanImplant.

Warum ist Ihnen persönlich wichtig, dass Implantate, die Sie in Ihrer Praxis verwenden, dieses zusätzliche Gütesiegel tragen?

Peter Randelzhofer: Wir gehen hier in unserer Klinik jeden Tag die ‚extra mile‘, um für unsere Patienten exzellente Ergebnisse zu erreichen. Alles in unserer Klinik beruht auf wissenschaftlich fundiertem Knowhow. Wieso sollte ich diesen Grundsatz bei der Hardware außer Acht lassen? Da es die Möglichkeit gibt, die Sicherheit unserer Implantate zu prüfen, will ich das wissen, um nicht nur zu glauben, sondern sicher sein zu können, meinen Patienten das Beste und die größte Sicherheit zu bieten.

Mit dem Zertifikat der Clean-Implant Foundation zeige ich meinen Patienten, die unsere fachliche Eignung vor allem anfänglich nur bedingt beurteilen können, dass wir uns zusätzlich und überdurchschnittlich einsetzen, um für ihre Behandlung die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Das wird wahrgenommen und damit heben wir uns als Klinik in einem hier im Zentrum von München durchaus sehr kompetitiven Umfeld zusätzlich ab.

Wie ist die Reaktion Ihrer Patienten auf diesen besonderen Hinweis, interessiert es den Laien überhaupt?

Nicht zuletzt durch die Pandemie bedingt ist das Bewusstsein der Menschen für ihre Gesundheit enorm gestiegen. Dass trotz im Grunde ausreichend bestehender Gesetze und Regularien das Endprodukt nicht immer den Anforderungen genügen muss, haben ihnen wiederum etliche Lebensmittel- und Medizintechnik-Skandale gezeigt. Erneut: Es geht hier nicht um Panikmache, sondern um eine verbesserte Sicherheit im Sinne unserer Patienten.

Herzlichen Dank für das Gespräch.